HighTech: Solarfirma erzielt Einigung mit US-Zulieferer

Conergy befreit sich von Knebelvertrag

Konzernchef Dieter Ammer spricht im Abendblatt von "guten Geschäften". 2010 soll Gewinn gemacht werden.

Hamburg. Die Lobbyisten der Solarbranche kämpfen in Berlin um Subventionen und klagen, die geplanten Einschnitte bei der Förderung der Sonnenenergie würden den deutschen Unternehmen im Wettbewerb mit den Chinesen den Untergang bringen. Mitten in diesem Gerangel um Staatshilfen kommt aus der Hansestadt eine gute Nachricht aus der Branche. Das Solarunternehmen Conergy hat einen Etappensieg in eigener Sache errungen: Gestern beendeten die Hamburger einen jahrelangen Konflikt um einen milliardenschweren Vertrag, der Conergy fast die Existenz gekostet hätte. "Wir haben nun einen erheblichen Freiraum gewonnen", sagte Konzernchef Dieter Ammer dem Abendblatt. Die Conergy-Aktie, zum Pennystock abgestiegen, gewann gestern zeitweise mehr als 30 Prozent an Wert. Am Abend stand sie mit 86 Cent zehn Prozent im Plus.

Zum Hintergrund: Conergy hatte einen Vertrag über die Lieferung von Siliziumwafern mit dem US-Unternehmen MEMC im Umfang von acht Milliarden Dollar geschlossen. Dieser konnte nun "an den tatsächlichen Bedarf" des Conergy-Werks in Frankfurt/Oder angepasst werden, wie es hieß. Denn der Preis für den einst heiß begehrten, teuren Rohstoff Silizium hat mittlerweile stark nachgegeben.

Die Hamburger sind damit aus einem Kontrakt herausgekommen, "der über dem Unternehmen hing wie ein Damoklesschwert", sagte Analyst Karsten von Blumenthal von SES Research. Zu den alten Bedingungen wäre für die Conergy AG ein rentabler Betrieb in Frankfurt/Oder nicht möglich gewesen. Dort stellt Conergy die Solarzellen her, die später auf Hausdächern oder auf freiem Feld das Sonnenlicht einfangen, um Strom zu erzeugen. MEMC sperrte sich jedoch lange gegen neue Bedingungen, sodass Conergy im April 2009 Klage auf Vertragsauflösung bei einem New Yorker Gericht einreichte und sämtliche Zahlungen einstellte.

Mit der nun mit MEMC erreichten Einigung sei "ein weiterer Meilenstein in der Reorganisation" erreicht worden, sagte Ammer. Ende 2007 war die Conergy AG, die heute zu den Top Ten der Branche gehört, kurz vor der Insolvenz. Damals hatte Ammer, der das Unternehmen einst mitgegründet hatte, die Geschäftsführung übernommen und versuchte fortan das Ruder herumzureißen. Er trennte sich von zahlreichen Geschäftsfeldern und konzentrierte Conergy auf das Solargeschäft. Zudem verschafften zunächst eine Brückenfinanzierung und später eine Kapitalerhöhung dem Unternehmen Luft. Trotzdem hat Conergy seitdem weiter in jedem Quartal rote Zahlen geschrieben. In diesem Jahr soll endlich ein Gewinn erwirtschaftet werden.

"Das Geschäft ist Ende 2009 wieder gut angelaufen", sagte Ammer. Die Fabrik in Frankfurt/Oder sei entsprechend gut ausgelastet und könne mit den nun wieder günstiger beschafften Siliziumwafern auch profitabel arbeiten. Zwischenzeitlich hatte Conergy vergeblich einen Käufer für das ostdeutsche Werk gesucht, das immer noch als eine der weltweit modernsten Solarproduktionen gilt.

Nun müsse Conergy bis zur Jahresmitte mit den Banken eine Refinanzierung aushandeln, sagte SES-Analyst von Blumenthal. Das dürfte nicht leicht werden: Das Unternehmen war laut von Blumenthal Ende vergangenen Jahres mit rund 300 Millionen Euro verschuldet und muss mit einer geringen Eigenkapitalquote von 20 Prozent in die Verhandlungen mit den Geldgebern gehen. Dazu kommt die unsichere Lage der Branche, nachdem Bundesumweltminister Norbert Röttgen kürzlich angekündigt hatte, dass die Einspeisevergütungen für Solarstrom ab dem 1. April um 15 Prozent sinken sollen. Damit sich die Investition der Verbraucher auch in Zukunft noch rechnet, müsste der Preis für Solaranlagen weiter sinken.

Das bringt die deutschen Hersteller, die ohnehin schon Marktanteile an die Billigkonkurrenz aus Asien verloren haben, weiter unter Druck. Die Zahl der Produzenten von Solarzellen und -modulen werde bis 2015 weltweit um 40 Prozent sinken, befürchtet etwa die Unternehmensberatung Goetzpartners in einer Studie. In Deutschland fertigen mehr als 200 Unternehmen Solarsysteme. Inklusive der Zulieferer beschäftigt die Branche derzeit rund 80 000 Mitarbeiter, schätzt der Bundesverband Solarwirtschaft.

Conergy hat den Vorteil, nur etwa die Hälfte seiner Anlagen im Inland zu verkaufen, und ist deshalb nicht so sehr von der Entwicklung der Subventionen in Deutschland abhängig. "Aber eine zu starke Beschneidung der Hilfen kann die gesamte Branche gefährden", sagt Ammer, der allerdings nicht mehr allzu lange für Conergy und die Mitstreiter kämpfen wird: Bis zur Jahresmitte will er den Posten an seinen Stellvertreter Andreas von Zitzewitz übergeben.