Geldentwertung

Aus Angst vor Inflation räumen Venezolaner Geschäfte leer

Caracas. Viele Ladenbesitzer in Venezuela machten am Sonnabend das Geschäft ihres Lebens. Wegen der am Freitagabend von Präsident Hugo Chavez völlig überraschend angekündigten drastischen Abwertung der heimischen Währung Bolivar gegenüber dem US-Dollar kauften die Bolivianer ausländische Produkte in großem Stil - besonders gut liefen große Elektroartikel wie Kühlschränke.

Zum Hintergrund: Chavez wertete den Bolivar ab, um ausländische Produkte zu verteuern und die heimische Produktion zu fördern. So wurde der offizielle Kurs zur US-Währung von 2,15 Bolivar für einen Dollar auf 4,6 Bolivar je Dollar geändert. Damit haben sich fast alle Importgüter für die Bolivianer über Nacht um mehr als 100 Prozent verteuert. Lediglich für einige Güter des Grundbedarfs wie Lebensmittel und Medikamente sowie für Industriemaschinen wurde ein Kurs von 2,6 Bolivar je Dollar festgelegt. Chávez verteidigte die Maßnahmen als "gerecht und notwendig" und als einen Beitrag zu Stärkung der heimischen Wirtschaft. "Dies wird die Produktivität in Venezuela erhöhen. Wir werden mehr Produkte konsumieren, die in Venezuela für Venezolaner hergestellt werden", versicherte er. Oppositionelle sprachen dagegen von einem "Desaster".

Ohnehin ist die Bevölkerung massiv von einer Geldentwertung betroffen. Denn Venezuela hatte im vergangenen Jahr mit 25 Prozent bereits die höchste Inflationsrate in ganz Amerika. Auch 2010 gehen Experten von Preissteigerungen von rund 20 Prozent aus.