Technik-Trends

3-D-Fernseher sollen Wohnzimmer erobern

Foto: AFP

Im Kino ist die 3-D-Technologie ein Renner - schon 2013 könnte auch jeder vierte Fernseher dreidimensionale Bilder liefern.

Hamburg. Wenn das Mammut Manni und Faultier Sid in "Ice Age 3" durch eine urzeitliche Winterlandschaft auf die Kinozuschauer zuschreiten, dann drücken die sich schon mal erschrocken zurück in die Sitze. Mannis faltiger Riesenrüssel kommt zum Greifen nah und der tollpatschige Sid scheint aus der Leinwand zu fallen: Der Animationsfilm wurde erst durch die neue 3-D-Technik in den Kinos zum Stadtgespräch, ähnlich wie die 3-D-Abenteuer "Shrek" oder "Toy Story".

Was die Filmfans derzeit bereits bei Popcorn und Cola im Kino erleben, können sich die Zuschauer bald auch zu Hause gönnen, wenn auch nur mit der zusätzlichen 3-D-Brille auf der Nase. Im Sommer bringt Panasonic den ersten 3-D-Fernseher auf den deutschen Markt. Auch Sony, Toshiba, Philips und JVC tummeln sich in dem Zukunftsfeld.

Die 3-D-Fernseher werden etwas teurer sein als herkömmliche Geräte. Sie werfen aber auch die Frage auf, was der neue Wohnzimmergenosse an "Mehrwert" bringt. Schließlich wird in Europa zunächst nur der über Satellit zu empfangende britische Sender B sky B in 3-D-Qualität senden, die deutschen Kanäle hingegen lassen mit der Technik noch auf sich warten. Deshalb müssen 3-D-Fans zusätzlich noch in einen der inzwischen ohnehin stark gefragten Blu-ray-Player investieren, denn nur auf diesem Speichermedium sind 3-D-Filme erhältlich. DVDs haben für die komplexen, mit zwei Kameras gedrehten Filme nicht annähernd genug Speicherplatz. Aber auch die Ankündigung, dass die Spiele der Fußball-WM in Johannesburg in 3-D übertragen werden, wird nur wenige Zuschauer zum Jubeln veranlassen: In Deutschland ist ein Publicviewing in Berlin angekündigt, bei dem die Fans Ausschnitte der Begegnungen in 3-D verfolgen können. Ansonsten wird Sony dazu einen 3-D-Film auf einer Blu-ray-Disc vertreiben.

Der große Optimismus der Branche für diesen neuen Markt stützt sich aber nicht nur auf Fußball, die jüngsten Kinoerfolge in 3-D und die Tatsache, dass in den USA bereits 70 Prozent der Kinoeinnahmen mit 3-D-Filmen generiert werden. "3-D ist beileibe kein Gag, bei dem nur Figuren ins Wohnzimmer kommen, sondern eine ganz neue, eigene Erfahrung", sagte Jon Landau, Produzent beim neuen 3-D-Blockbuster "Avatar", der innerhalb nur weniger Tage mehr als eine Milliarde Dollar in die Kinokassen gespült hatte und damit einen neuen Rekord in der Filmgeschichte schrieb. Auch Panasonic-Sprecher Michael Langbehn schlägt die Bedenken von Skeptikern in den Wind, die an die 3-D-Flops vergangener Zeiten erinnern: "Früher war die Technik noch nicht so weit, aber heute sind die 3-D-Effekte einfach faszinierend", sagte Langbehn dem Abendblatt. Marktforscher rechnen damit, dass sich der weltweite Absatz von 3-D-Fernsehern von knapp drei Millionen 2010 bis 2013 fast verzehnfacht. Optimisten gehen sogar davon aus, dass bereits 2013 jedes vierte TV-Gerät 3-D-fähig sein wird.

Aber auch die lange diskutierte Partnerschaft zwischen TV und Internet bekommt neuen Schwung. Wie bereits angekündigt, bindet Panasonic zusammen mit dem Internet-Telefonie-Entwickler Skype auch eine Telefon- und Videokonferenzfunktion in seine Spitzenmodelle ein. "Das TV-Gerät wird nicht nur zum Zentrum der Unterhaltung, sondern auch zur Zentrale für die Kommunikation", sagte Panasonic-Manager Josh Silverman.

Die innovativen Fernseher kommen, zumindest aus Sicht der Hersteller, genau zum richtigen Zeitpunkt: Denn der Boom der Flachbildfernseher, die nach den klobigen Röhrengeräten schon fast zum Standard geworden sind, scheint abzuebben: In manchen Industrieländern nähern sich die Märkte der Sättigung. So wurden im Krisenjahr 2009 in Deutschland 7,8 Millionen dieser Fernseher verkauft, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast jeder zweite Haushalt bundesweit hat nun bereits einen Flachbildschirm. Potenzial sieht die Branche allerdings noch bei größeren und höherpreisigen Modellen. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) rechnet mit einem Trend zu Geräten in der Bildschirmklasse 37 Zoll (94 Zentimeter) und zur HDTV-Tauglichkeit. "Wir erwarten bei HDTV einen Schub, auch durch die Sportereignisse Fußball-WM und die Olympischen Winterspiele", sagte Markus Brendel von Philips.

Bis Ende des Jahres sollen laut gfu schon mehr als 27 Millionen HDTV-kompatible Geräte in deutschen Haushalten stehen. Auch mit dieser Technologie, die mit ihrer hohen Auflösung besonders plastische Bilder verspricht, werden Faultier Sid und sein grummeliger Freund Manni schon fast so lebendig erscheinen wie der dösende Haustiger im Fernsehsessel.