Automobilindustrie

Ford verkauft Volvo an Chinesen

Detroit/Peking. Die Traditionsmarke Volvo wird chinesisch. Das größte Privatunternehmen der Branche in China, Geely, sicherte sich am Mittwoch den schwedische Autobauer. Nach der Saab-Technik geht damit auch die Ford-Tochter Volvo an China. Damit stärken sich die Autobauer der Volksrepublik für ihre internationale Aufholjagd mit europäischer Technologie.

Volvo wechselt im zweiten Quartal den Besitzer. Im ersten Quartal sei der endgültige Vertragsabschluss geplant, kündigte Ford nach der Einigung über letzte Streitfragen vor allem bei Patenten und der Übertragung technologischer Konzepte an. Der US-Konzern will sich vollständig aus der vor zehn Jahren eingekauften Tochter zurückziehen. Die Geschäftspartner gaben zunächst keinen Preis bekannt, in Verhandlungskreisen war jedoch von 1,8 bis zwei Milliarden Dollar die Rede.

Ford hatte ursprünglich 6,5 Milliarden Dollar bezahlt, kann die Mittel jetzt jedoch gut für den Schuldenabbau gebrauchen. Nachdem der Konzern anders als die Saab- und Opel-Mutter General Motors sowie der andere heimische Rivale Chrysler die Krise aus eigener Kraft ohne staatliche Hilfen überstanden hat, will er bis 2012 wieder Gewinn machen.

Chinas Branchenführer Geely ist seit langem auf der Suche nach moderner Technik, um seine Modellpalette aufzurüsten und stärker in den internationalen Wettbewerb einzugreifen.

Technologisch klafft noch eine erhebliche Lücke zwischen den Autobauern der kommunistischen Volksrepublik und ihren ausländischen Konkurrenten. China hat die USA aber nicht zuletzt mithilfe staatlicher Subventionen in diesem Jahr als größter Automarkt überholt und dürfte diese Führungsposition im kommenden Jahr weiter ausbauen.

Der Absatz in den USA brach dagegen 2009 auf den Stand von 1970 ein. In der größten Volkswirtschaft der Welt wurden im Krisenjahr 2009 nur noch 10,3 Millionen Fahrzeuge verkauft.

Volvo ist von den beiden schwedischen Traditionsmarken die weitaus erfolgreichere. Das Unternehmen verkaufte im vergangenen Jahr vier Mal so viele Autos wie Konkurrent Saab und setzte insgesamt 375 000 Fahrzeuge ab.

Insgesamt leidet die seit Jahren darbende Branche allerdings unter erheblichen Überkapazitäten. Marktforschern zufolge werden allein in Europa derzeit jährlich sieben Millionen Fahrzeuge zu viel produziert. Der chinesische Daimler-Partner BAIC, der bei Opel nicht zum Zug kam, will mit dem Kauf der Saab-Technologie die Entwicklung international wettbewerbsfähiger Modelle beschleunigen - und kündigte eine aggressive Exportstrategie auf der neuen Saab-Basis an.