Karstadt-Insolvenz

"Betroffene finden die Kündigung unterm Weihnachtsbaum"

95 Mitarbeiter der Karstadt-Filiale im Elbe-Einkaufszentrum müssen sich einen neuen Job suchen. Die Arbeitsagentur kommt in die Filiale.

Hamburg. "30 Prozent reduziert" locken Schilder Schnäppchenjäger, die von dem Aus der Filiale im Elbe-Einkaufszentrum (EEZ) profitieren wollen. Gleichzeitig wird Ware verpackt und an andere Geschäfte des Konzerns in Hamburg und Umgebung verteilt. Nach dem Ausverkauf gehen die Lichter aus in der Filiale, die seit Jahren profitabel war und in Schwierigkeiten kam, als eine Renovierung nach der Insolvenz der Karstadt-Mutter Arcandor unterbrochen werden musste. Die einstige Vorzeigefiliale wurde zur Dauerbaustelle und machte Verluste.

Insgesamt will der insolvente Warenhauskonzern Karstadt neben den zuvor schon bekannt gewordenen sechs Filialen sieben weitere schließen (siehe Tabelle). Betroffen sind zehn Karstadt-Häuser wie etwa das Geschäft im EEZ sowie drei kleine Multimediafachmärkte mit zusammen knapp 1200 Mitarbeitern, sagte gestern der Beauftragte des Arcandor-Insolvenzverwalters für den Warenhausbereich, Rolf Weidmann. Sie werden spätestens am 31. März 2010 aufgegeben. Die Mitarbeiter sollen dann in eine Transfergesellschaft wechseln.

Die verbleibenden 120 Karstadt-Filialen mit 25 000 Beschäftigten sollen saniert und an einen Investor verkauft werden. Unter anderem ist die Kaufhof-Mutter Metro im Gespräch. Es handelt sich um 86 Warenhäuser, 26 Sporthäuser und acht Schnäppchencenter. Die Zahl der Filialschließungen fällt damit geringer aus als einst befürchtet. Zunächst galten 19 Standorte als gefährdet. Weidmann betonte: "Durch die Sanierungsbeiträge der Gläubigergruppen können wir einige Filialen bundesweit weiterführen, die ursprünglich auf der Prüfliste standen."

Die Häuser, die überleben, will Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens vorerst weiterführen, wie Görgs Sprecher Thomas Schulz dem Abendblatt sagte. "Der Insolvenzplan wurde erstellt. Jetzt muss er dem Gericht und den Gläubigern präsentiert werden. Wenn die Gläubigerversammlung Ende Januar zustimmt, kann das Gericht das Insolvenzverfahren anschließend aufheben", so Schulz. Danach könnte Görg die Karstadt-Häuser an einen Investor verkaufen. Das könnte bereits im zweiten Quartal 2010 geschehen.

Die profitablen Premiumhäuser des Konzerns - das KaDeWe in Berlin, das Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg - sind laut Schulz "fester Bestandteil des Karstadt-Konzepts". Görg kann sie also nicht einzeln abgeben, da sie kaum mehr aus dem Insolvenzplanverfahren herauszulösen sind.

Margret Mönig-Raane, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Ver.di, betonte, die Schließung der 13 Filialen sei "außerordentlich bitter für die Beschäftigten". Dennoch empfahl die Ver.di-Verhandlungskommission der großen Tarifkommission, weiteren Arbeitnehmerbeiträgen zur Sanierung von Karstadt zuzustimmen. Nicht nur die Mitarbeiter, auch die Vermieter der Filialen müssen zur Sanierung beitragen. Die meisten Karstadt-Häuser gehören dem Konsortium Highstreet. Verhandlungskreisen zufolge zahlte Karstadt jährlich 275 Millionen Euro Miete an Highstreet. Nun übernehme der Vermieter die Schließungskosten und senke die Mieten für die verbleibenden Häuser in den nächsten fünf Jahren. Beides zusammen mache rund 160 Millionen Euro aus.

Karstadt sei ein fester Bestandteil der Innenstädte, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP). "Sehr unglücklich finde ich es, wenn die betroffenen Beschäftigten ihre Kündigung jetzt unter dem Weihnachtsbaum finden." Auch die heute 95 von ehemals 110 Mitarbeitern im Hamburger EEZ müssen bald einen neuen Job suchen. Dennoch haben sie Hoffnung. "Unsere Mitarbeiter arbeiten überdurchschnittlich gut", sagt Ulrike Schalkowski, Filialleiterin im EEZ. Einige hätten sogar schon wieder einen neuen Job. Am nächsten Dienstag und Mittwoch kommen zudem Mitarbeiter der Hamburger Arbeitsagentur in die Karstadt-Filiale, um den Mitarbeitern bei der Suche zu helfen.