Geldanlage

Hier gibt es die höchsten Zinssätze

Fest- statt Tagesgeld kann sich lohnen. Doch Finanzexperten raten den Bankkunden von einer allzu langen Bindung ab.

Hamburg. Elke Beil hat in diesen Tagen 10 000 Euro von der Deutschen Bank zurückbekommen plus 500 Euro Zinsen. Ein ansehnlicher Betrag. "Nur leider lässt sich eine solche Anlage jetzt nicht mehr wiederholen", sagt Beil. Im September 2008 hatte sie ihr Geld für fünf Prozent bei der Bank angelegt. Die Finanzkrise war voll entbrannt, und fast alle Geldinstitute versuchten, für hohe Zinsen Spargelder einzuwerben. Ein Jahr später suchen die Sparer verzweifelt nach ähnlich attraktiven Sparangeboten.

Eine Drei vor dem Komma ist die große Ausnahme. "Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen massiv gesenkt", sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Für ein Prozent Zinsen können sich die Banken unbegrenzt Liquidität für ein Jahr bei der EZB besorgen. 2,75 Prozent Zinsen könnte Elke Beil jetzt noch bei der Deutschen Bank bekommen. Doch dafür müsste sie ihr Geld drei Jahre fest anlegen.

"Das ist bei so niedrigen Zinsen nicht ratsam", sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Denn wenn die Zinsen wieder steigen, kann man dann nicht auf bessere Angebote umsteigen." Doch einfach abwarten, bis die Zinsen wieder steigen, ist eine noch schlechtere Alternative. "Die Zinsen für Fest- und Tagesgeld werden noch weiter sinken", sagt Herbst. "In den vergangenen zehn Jahren lagen die durchschnittlichen Zinssätze für diese Anlageformen immer unterhalb des Euribor. Das ist jetzt noch nicht erreicht." Der Euribor ist ein Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Für einen Sechs-Monats-Zeitraum liegt dieser Zinssatz bei gut einem Prozent. Nach Erhebungen der FMH-Finanzberatung gibt es für Tagesgeld aktuell im Durchschnitt 1,4 Prozent und für ein zwölfmonatiges Festgeld 1,51 Prozent. An diesen Werten können sich auch Anleger orientieren: Bietet ihre Bank höhere Zinsen, erhalten sie ein gutes Angebot.

Doch nicht jede Offerte mit hohem Zinssatz hält, was sie verspricht. So bietet die Advanzia Bank für Tagesgeld vier Prozent bei einer Mindestanlage von 5000 Euro. Allerdings gilt dieser Zinssatz nur bis Ende September und ist damit nichts weiter als ein Lockangebot. Danach muss man sich mit 2,05 Prozent begnügen. Die Onlinetochter der Frankfurter Sparkasse, 1822direkt, zahlt 2,75 Prozent auch nur für neues Geld und befristet das Angebot bis Ende November. Danach gibt es nur noch 1,3 Prozent. Es gibt bessere Angebote. Die ING-DiBa zahlt die 2,5 Prozent immerhin bis Ende Januar 2009 für neues Geld. Ganz ohne Einschränkungen kommt das Angebot der Bank of Scotland mit 2,5 Prozent aus. Die Bank, die zur Lloyds Banking Group gehört, unterliegt der britischen Einlagensicherung, die pro Anleger umgerechnet 55 000 Euro absichert.

Wer sein Geld längere Zeit entbehren kann, hat bei einer Festgeldanlage die Garantie, dass der Zins während der Laufzeit - im Gegensatz zum Tagesgeld - nicht mehr sinken kann. "In einer Niedrigzinsphase wie jetzt sollte man sich aber nicht zu lange festlegen", rät Castelló. Länger als ein Jahr sollte man sich nicht binden, denn im Sommer nächsten Jahres rechnen Experten wieder mit steigenden Zinsen.

Drei Prozent gibt es bei der ICICI-Bank für ein Jahr. Die türkische ISBANK bietet 2,5 Prozent und gehört dazu noch dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken an. Die meisten zinsstarken Angebote kommen aber von Banken, die Mitglieder der niederländischen, britischen oder österreichischen Einlagensicherung sind. Und hier werden unterschiedlich hohe Beträge abgesichert. "Generell sehe ich für Kunden keine Gefahr, wenn sie nicht mehr als 50 000 Euro anlegen, denn das ist jetzt die Mindestabsicherung in der EU", sagt Uwe Döhler von der Stiftung Warentest.

So niedrig wie die Zinsen jetzt erscheinen, sind sie gar nicht, wenn man die Inflation mit berücksichtigt, die im August bei null Prozent lag. Damit entspricht der Nominalzins dem Realzins. Im August 2008 lag die Inflationsrate noch bei 3,1 Prozent. Dieser Wert musste von den damals hohen Zinssätzen abgezogen werden, sodass von fünf Prozent unterm Strich nur 1,9 Prozent übrig blieben. Mit Blick auf den realen Zinsgewinn kann sich der Anleger jetzt also dennoch über ansehnliche Erträge freuen.