Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz

Arcandor-Pleite: Verliert Schickedanz ihre Häuser?

Die Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor droht für Großaktionärin Madeleine Schickedanz zum finanziellen Alptraum zu werden.

Hamburg. Nach einem Bericht des „Stern“ haftet die 65-jährige Quelle-Erbin auch mit ihrem privaten Vermögen für Kredite des Bankhauses Sal. Oppenheim, mit denen sie den Kauf von Arcandor-Aktien finanziert hatte. Sie könnte zahlreiche Villen und Ferienhäuser verlieren. Das Büro von Madeleine Schickedanz wollte den Bericht nicht kommentieren.

Schickedanz hatte schon im Juli in einem Interview geklagt, sie habe Angst vor einem Abrutschen in die Armut. „Wenn die Rettung von Arcandor scheitert und die Banken die Kredite fällig stellen, verliere ich alles – Häuser, Aktien, Beteiligungen an anderen Firmen. Ich bekäme mit meinen 65 Jahren noch nicht einmal Rente“, sagte sie damals der „Bild am Sonntag“. Sie lebe von 500 bis 600 Euro im Monat.

Auch Elternhaus ist angeblich verpfändet

Laut „Stern“ kann die Bank angeblich mindestens elf Immobilien und Grundstücke per Zwangsvollstreckung einziehen und veräußern, wenn Schickedanz bei Fälligstellen der Darlehen nicht zahle – darunter Immobilien in München und Hamburg, eine Ferien-Villa mit Bootshaus am Tegernsee sowie eine weiteres Anwesen in Nürnberg. Auch ihr Elternhaus in Hersbruck, ein gut 20.000 Quadratmeter großes Anwesen, sei verpfändet, berichtete das Magazin weiter. In Hersbruck wurde der Grundstein für das spätere Handelsimperium gelegt, hier eröffnete Mutter Grete Schickedanz nach dem Krieg ihren ersten Laden.

Allerdings sei längst nicht alles verloren, berichtete der „Stern“ weiter. Die Papiere belegten, dass die Familie vorgesorgt habe. So habe Schickedanz das größte Anwesen der Familie, die repräsentative Familienvilla mit Park bei Fürth – bis auf einen Mini-Anteil - bereits 2005 auf einen Sohn übertragen. Madeleine Schickedanz genieße hier lebenslanges Nutzungsrecht.

Das Amtsgericht Essen hatte am Dienstag für 37 Unternehmen des Arcandor-Konzerns das Insolvenzverfahren eröffnet. Darunter waren auch die Konzernholding Arcandor, die Versandhandelssparte Primondo, die Warenhaustochter Karstadt und der Quelle-Versand. Gleichzeitig hatten die wichtigsten Konzernmanager, darunter Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick, das Unternehmen verlassen.

CSU will Eick-Abfindung stoppen

Die 15-Millionen-Euro-Abfindung für Eick, der nur sechs Monate an der Spitze des Essener Konzerns stand, sorgte auch am Mittwoch noch für Empörung. Die CSU will die Zahlung per Gesetz noch stoppen. Der Bundestag solle gleich nach der Wahl im Insolvenzrecht eine Obergrenze für Managerabfindungen verankern, die rückwirkend zum 1. Januar 2009 in Kraft tritt, sagte der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach. Eine entsprechende Initiative werde er im Finanzausschuss einbringen.

Dass der Chef eines Pleite gegangenen Konzerns „für sechs Monate Erfolglosigkeit ein Erfolgshonorar für fünf volle Jahre erhält“, stelle nicht nur das Leistungsprinzip auf den Kopf. „Das ist ein Anschlag gegen die soziale Gerechtigkeit“, sagte Michelbach. „Hier gibt es eine Gesetzeslücke.“ Sie könne noch im Oktober oder November rückwirkend geschlossen werden.