"Eine historische Reise"

Erste Handelsschiffe wagen Nordostpassage

Im Sommer erwärmt sich das Land schon einmal auf 25 Grad, doch das Wasser an der sibirischen Nordmeerküste bleibt dann nahe am Gefrierpunkt weiter eiskalt.

Hamburg. Packeis kann die beiden Schwergutfrachter der Bremer Beluga-Reederei daher immer noch stoppen: Die "Beluga Foresight" und die "Beluga Fraternity" haben jetzt dennoch im russischen Pazifikhafen Wladiwostok abgelegt. Vier Wochen lagen sie dort fest, dann gaben die russischen Behörden grünes Licht: Erstmals in der Schifffahrtsgeschichte wagen sich nun zwei Handelsschiffe durch die Nordostpassage. "Eine historische Reise", wie Beluga-Chef Niels Stolberg sagt. Risikoreich, aber mit hohem Einsparpotenzial. Und möglich geworden, weil sich offensichtlich durch den Klimawandel das Nordeis im Sommer immer weiter zurückzieht. "Das verkürzt die Netto-Reisezeit um etwa neun Tage und spart pro Schiff rund 92 000 Dollar Treibstoffkosten", so Stolberg.

Rund 21 100 Kilometer lang ist der bisher übliche Seeweg von Asien nach Europa durch den Suezkanal. Die Nordostpassage, die nahe der Nordküsten von Asien und Europa verläuft, misst indes 14 100 Kilometer. Die Nordostpassage ist damit noch kürzer als die Nordwestpassage, die nahe dem amerikanischen Kontinent entlangführt und etwa 15 900 Kilometer lang ist. Anders als in der Nordwestpassage galt der Seeweg durch die Nordostpassage bisher als wirtschaftlich nicht relevant. Zu teuer wären die Kosten durch schwere Eisbrecher, weil dort im Sommer eben immer noch gefährliche Packeisfelder auftreten konnten. Bisher wurden daher von Handelsschiffen nur Teilstrecken gefahren. Im 19. Jahrhundert scheiterten im Eis mehrere Forschungsfahrten.

Beluga-Chef Stolberg, der auch schon mit Sky-Sails-Zugdrachen für seine Schiffe experimentiert hat, ist dennoch zuversichtlich. Zur Beruhigung trägt aber auch eine Eisklausel im Vertrag bei. Die beiden Beluga-Schiffe haben in Südkorea Kraftwerksbauteile von General Electric geladen. Sie sollen ins westsibirische Novyy Port gebracht werden. Müssen dazu doch Eisbrecher angefordert werden, zahlt General Electric die Kosten von etwa 50 000 Euro pro Tag. Gelingt die Pionierfahrt der Bremer Reederei, sollen indes Folgeaufträge folgen.