Kommentar: Krise im Hamburger Hafen

Reeder steuern Kurs Rotterdam

Alarmstufe Rot für Hamburg: Nicht nur die Krise lässt den über Jahre auf Wachstum programmierten Umschlag schrumpfen, sondern der Hafen verliert auch Marktanteile im Wettbewerb mit Rotterdam.

Allein in diesem Jahr, so schätzen Experten, werden eine Million Container nicht in den Hafen kommen, die bisher von Hamburg aus - mit sogenannten Feeder-Frachtern - weiter zur Ostsee transportiert wurden.

Ursache für diese Entwicklung ist neben den hohen Kosten im Umschlag, die die Container-Reedereien beklagen, auch die Hafenpolitik. Weil man bisher Terminalbeteiligungen von Schifffahrtslinien - Ausnahme Hapag-Lloyd - nicht zuließ, steht die Hansestadt ohne Partner da, die Verkehre in den Hafen lenken. Das tut besonders weh, wenn in einer Krise weniger Schiffe kommen. Rotterdam profitiert hingegen von ihren Reederei-Partnern. Denn diese lasten Terminals, an denen sie beteiligt sind, schon aus Eigeninteresse aus. Neben den Schiffsriesen legen dann auch die Feeder-Frachter in diesen Häfen an. Und Hamburg hat das Nachsehen.

Deshalb muss jetzt eine neue Strategie her. Sie könnte daraus bestehen, Reeder über das geplante Containerterminal Steinwerder enger an die Stadt zu binden. Gleichzeitig müssen die Durchfahrtmöglichkeiten und die Gebührenpolitik auf dem Nord-Ostsee-Kanal so geändert werden, dass der Kanal sich für viele rechnet. Dann werden viele Frachter die Hansestadt im Fahrplan behalten.

Die entscheidende Voraussetzung für solche Überlegungen ist die Elbvertiefung. Ihre Verzögerung signalisiert nun wieder: In Hamburg werden Containerriesen auch über weitere Monate oder gar Jahre nicht problemlos ein- und vor allem auslaufen können. Rotterdam punktet weiter. Die scharfe Kritik von Wirtschaftssenator Axel Gedaschko an den Planungen des Bundes hilft da wenig.