Hapag-Lloyd in der Krise

Kommentar: Zeit für Bescheidenheit

Oliver Schade

Es wird eng für Hapag-Lloyd. Die Hamburger Reederei hat durch die Schifffahrtskrise schwere Schlagseite bekommen und ist auf weitere Staatshilfen in Milliardenhöhe angewiesen, um wieder Fahrt aufnehmen zu können.

Aus einem einst florierenden, hoch profitablen Unternehmen haben die weltweiten ökonomischen Verwerfungen einen Bittsteller gemacht. Das ist ein trauriger, aber nicht mehr zu leugnender Fakt, den jeder Beschäftigte von Hapag-Lloyd akzeptieren muss. Es ist Zeit für Bescheidenheit am repräsentativen Ballindamm.

Unternehmenschef Michael Behrendt hat bereits ein Sparprogramm von 400 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Ein notwendiger, aber nur ein erster Schritt auf einem weiten und steinigen Weg. Niemand will Hapag-Lloyd kaputtsparen. Doch wer nach umfangreichen Hilfen des Steuerzahlers ruft, muss zu härtesten Einschnitten bereit sein. Weitere Einkommenskürzungen, Personalabbau und selbst der Verkauf der prunkvollen Zentrale an der Binnenalster - es darf keine Tabus geben. Auch enge Kooperationen mit Konkurrenten bis hin zu einer Fusion sollte man am Ballindamm ernsthaft prüfen. Das Ziel aller Hamburger Lokalpatrioten ist definiert: Hapag-Lloyd muss wieder flottgemacht werden, die Zentrale in der Stadt bleiben. Dieses Unterfangen ist kompliziert genug. Es darf keinesfalls durch Eitelkeiten und Scheuklappen-Denken in Gefahr gebracht werden.

Alle Beteiligten sollten sich an den Oktober 2008 zurückerinnern. An die Freude, den Jubel über die Hamburger Lösung. An die Rettung eines Traditionsunternehmens, eines Stücks Stadtgeschichte. Persönliche Animositäten zwischen den Eigentümern müssen nun hinten anstehen, um den Geist von damals wieder beleben zu können. Damit Hapag-Lloyd eine Zukunft hat.

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