Handelskette erneuert Angebot. EU-Kommission hatte Staatshilfen für das Unternehmen abgelehnt.

Hamburg

Für einen Großteil der 50 000 Mitarbeiter des angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor gibt es neue Hoffnung: Der Handelskonzern Metro hat sein Angebot zur Übernahme der Karstadt-Warenhäuser konkretisiert. "Wir sind sicher, dass wir von den 90 Häusern 60 übernehmen und in unser Galeria-Kaufhof-Konzept integrieren können", sagte Metro-Finanzvorstand Thomas Unger der "Welt". Damit gebe der Konzern "dem weit überwiegenden Teil der Karstadt-Beschäftigten eine Zukunft".

Das Angebot kommt in einer für die Karstadt-Mutter Arcandor überaus kritischen Situation. Erst gestern hatte die EU-Kommission ihre Zustimmung zu einer staatlichen Bürgschaft der Bundesregierung für den Konzern verweigert. EU-Wettbewerbskommissarin Nellie Kroes begründete ihre Haltung damit, dass sich Arcandor bereits vor dem Juli 2008, dem Beginn der Finanzmarktkrise, in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden habe. Arcandor hofft auf eine Bürgschaft über 650 Millionen Euro.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) stellte sich hinter die Einschätzung aus Brüssel. Dies sei eine "sehr klare Ansage" gewesen, sagte er.

Der Konzern braucht die Bürgschaft für eine Verlängerung von Krediten über insgesamt 650 Millionen Euro. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wollen sich die Mehrheitseigner von Arcandor - die Bank Sal. Oppenheim und deren Gesellschafter sowie die Familie Schickedanz - an der Rettung beteiligen, indem sie dem Staat ihre Aktienpakete als Sicherheit zur Verfügung stellen. Die allerdings sind nicht mehr allzu viel wert. Gestern notierte die Aktie bei 1,93 Euro. Vor einem Jahr waren es noch elf Euro.

Die Metro-Gruppe machte gestern auch den rund 4000 Mitarbeitern in den 30 zu schließenden Filialen Hoffnung. Sie "würden doch nicht alle arbeitslos, wie immer wieder behauptet wird", sagte Metro-Vorstand Unger. Es gebe Interesse einer ganzen Reihe von Handelsketten an den Häusern.

"Unsere eigene Elektronik-Handelskette Saturn gehört dazu", sagte Unger. "Wir wollen kein einziges Haus schließen, das Geld verdient."