Mamma Mia - was für ein Ärger

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Daniela Stürmlinger

Kurz nach der Premiere des ABBA-Musicals im Operettenhaus geht ein Kieler mit Hits der Popgruppe auf Tournee. Der Hamburger Veranstalter Stage Holding ist sauer.

Hamburg. Musik aus den 70er-Jahren liegt in der Luft. 1400 Zuschauer klatschen, wippen mit den Füßen und applaudieren am Ende der Vorstellung frenetisch. Das Musical "Mamma Mia!" mit den Songs der schwedischen Popgruppe ABBA im Hamburger Operettenhaus ist derzeit ausverkauft, Kartenvorbestellungen liegen dem Veranstalter, der Hamburger Stage Holding, sogar schon für Vorstellungen Ende April des kommenden Jahres vor.

Doch jetzt trübt ein Konzerveranstalter die Freude am überwältigenden Erfolg des Musicals. Am 21. November, knapp drei Wochen nach der mit immensem Werbeaufwand begleiteten Musicalpremiere in Hamburg, startete die Kieler Gastspiel- und Theaterdirektion Gerhartz GmbH in Nienburg mit der Tourneeproduktion "Mamma Mia - Come Together". Gespielt werden neben Hits von ABBA auch solche von den Beatles. "Die Tournee ist ein voller Erfolg", sagt Ulrich Gerhartz, der derzeit mit seiner neuen Produktion in Nordrhein-Westfalen tourt. Jeden Abend in einem anderen Theater, mal in Aachen, mal in Hilden "oder sonst irgendwo, ich glaub im Sauerland", sagt Gerhartz.

Sehr zum Ärger der Hamburger Stage Holding, die "Mamma Mia!" für mehrere Millionen Euro in die Stadt geholt und dafür sogar das Operettenhaus auf dem Kiez komplett renoviert hat.

"Wir bekommen Anrufe von Musicalfans, die fragen, wann wir denn in ihrer Heimatstadt gastieren", sagt Andreas Künne, Sprecher der Stage Holding, dem Hamburger Abendblatt. Aber das Erfolgsmusical aus Hamburg geht nicht auf Tournee - und schon gar nicht in mittelgroße Theater.

Der Kieler Veranstalter Gerhartz kann die Aufregung über eine mögliche Verwechslung nicht verstehen. "Wir spielen ja nicht nur Songs von ABBA, sondern auch von den Beatles", sagt er. "Und unser Story-Book ist auch ganz anders." Tatsächlich musste er die Geschichte rund um seine Hits ändern. Das hat der britische Lizenzgeber erreicht, der das ABBA-Musical "Mamma Mia!" an die Hamburger Stage Holding vergab. Und zwar in einer einstweiligen Verfügung vom 16. September 2002 vom Landgericht Hamburg, die am 1. Oktober nochmals bestätigt wurde.

Das Gericht untersagte Gerhartz unter anderem, zu seiner Produktion die Geschichte einer ehemaligen Popsängerin zu erzählen, die während einer Italien-Reise mehrere Affären hat und ein Kind bekommt. Denn das ABBA-Erfolgsmusical "Mamma Mia!" erzählt ebenfalls die Geschichte einer allein erziehenden Mutter, die mit ihrer 20-jährigen Tochter zwar nicht in Italien, sondern in Griechenland lebt. Beide Handlungen seien sich zu ähnlich. Außerdem untersagte das Gericht die Verwendung bestimmter ABBA-Songs wie "Honey Honey", "The Winner Takes It All" oder "Mamma Mia". Gerhartz interpretiert das anders und geht mit seiner Produktion weiter auf Tour, während die britische Lizenzgeberin von "Mamma Mia!" und die Stage Holding prüfen, ob sie das bei einem Verstoß gegen die einstweilige Verfügung angeordnete Strafgeld von 250 000 Euro einfordern soll.

Dass Gerhartz mit seiner Produktion just zu einem Zeitpunkt gestartet ist, als "Mamma Mia!" mit Millionenaufwand beworben wurde, sieht er eher als Zufall. "Als ich ,Mamma Mia - Come Together' plante, war noch keine Rede davon, dass ,Mamma Mia!' in Deutschland aufgeführt werden wird."

Musikkritiker bescheinigen "Mamma Mia!" zwar die Perspektive, den Erfolg zu wiederholen, den das Musical "König der Löwen" der Stage Holding im Hamburger Hafen erlebt. Knapp ein Jahr nach der Premiere wurde der "Löwenkönig" bereits von einer Million Besuchern gesehen. Doch Andreas Künne von der Stage Holding plagen ganz andere Sorgen - nämlich die Gefahr einer Verwechslung. "Wir sind das echte Musical ,Mamma Mia!', der Welterfolg", sagt er. Das bekommt er auch von den ABBA-Stars Benny Andersson und Björn Ulvaeus bestätigt, die "Mamma Mia!" komponiert haben.

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