Kaufkraft: 6,4 Milliarden Euro

Kinder haben so viel Geld wie nie zuvor

Sechs- bis 13-Jährige mit im Schnitt 23,30 Euro Taschengeld im Monat. Kluft zwischen Arm und Reich groß.

Hamburg. Mit den Tarifabschlüssen deutscher Gewerkschaften könnten Kinder locker mithalten, wäre Taschengeld vergleichbar mit Löhnen und Gehältern. Nie zuvor hatten die Sechs- bis 13-Jährigen in Deutschland so viel Taschengeld zur Verfügung wie heutzutage, durchschnittlich sind es derzeit 23,30 Euro im Monat. Im Jahr 2006 waren es noch 20,50 Euro. Der Anstieg liegt somit deutlich über der Inflationsrate - und auch höher als die meisten Einkommenssteigerungen der jüngeren Vergangenheit.

Seit 15 Jahren erhebt der Egmont Ehapa Verlag in Berlin die sogenannte Kids-Verbraucher-Analyse über die Kaufkraft des Nachwuchses. Gestern legte der deutsche Verlag der populären "Micky Maus"-Comics die Zahlen für dieses Jahr vor.

"An ihren Kindern sparen die Eltern in Deutschland zuletzt", sagte Ralf Bauer, Mitautor der Studie, dem Abendblatt. "Wir verzeichnen vor allem beim Taschengeld seit Jahren einen kontinuierlichen Anstieg, diesen Trend gab es auch schon in den wirtschaftlich schwierigen Jahren mit hoher Arbeitslosigkeit."

Neben einem gestiegenen Durchschnittswert beim Taschengeld zeigt die Analyse allerdings erneut auch die großen Unterschiede zwischen Kindern aus finanziell starken und schwachen Elternhäusern. Kinder aus besser gestellten Haushalten mit mehr als 3500 Euro Nettoeinkommen im Monat erhalten im Jahr 562 Euro an Taschengeld und Geldgeschenken, bei den Haushalten mit bis zu 1500 Euro Nettoeinkommen sind es lediglich 273 Euro. Noch gravierender ist die Differenz bei den Ersparnissen: In den besser gestellten Haushalten beträgt das Ersparte der Kinder im Durchschnitt 1135 Euro, in der unteren Einkommensgruppe hingegen nur 165 Euro. Aus der Studie geht jedoch nicht hervor, ob der Anteil der Kinder aus den finanziell schwächeren Elternhäusern zu- oder abnimmt. Dazu seien die Angaben der Befragten zu ihren Nettoeinkommen in der Regel zu ungenau, sagte Bauer.

Die repräsentative Kids-Verbraucher-Analyse ist ein begehrtes Zahlenwerk in den Marketingabteilungen der Konsumgüterindustrie. Die Minderjährigen sind eine gefragte Zielgruppe vor allem für die Branchen Mode, Spielwaren, Unterhaltungselektronik und Süßwaren. Insgesamt beträgt die Finanzkraft der rund 5,73 Millionen Sechs- bis 13-Jährigen in Deutschland die stattliche Summe von rund 6,4 Milliarden Euro, 1114 Euro je Kind.

Und der Nachwuchs steht den Erwachsenen beim Statusbewusstsein kaum nach: "Der Markendruck - sei es bei Computerspielen, Unterhaltungselektronik oder Mode, ist ganz klar da, vor allem bei den älteren Kindern", sagt Ralf Bauer. "Sie versuchen, mit den anderen mitzuhalten."

Dabei geht es nicht nur um den Konsum, sondern auch um Zugang zu Informationen und Bildung. Durchschnittlich mehr als zwei Drittel der Kinder können mittlerweile zu Hause einen Computer nutzen, mehr als die Hälfte nutzt das Internet. In den einkommensstarken Haushalten haben mehr als 90 Prozent der Kinder Zugang zum Computer, in den finanziell schwächeren Elternhäusern sind es nur 67 Prozent. Der Studie zufolge nutzen die Kinder den Computer vor allem als Informationsquelle für die Schule, mit deutlichem Abstand folgen bei den Nennungen "um online zu spielen", "E-Mails zu schreiben" oder "zu chatten".

Trotz vieler pessimistischer Prognosen gehört das Lesen von Büchern, Zeitschriften oder Comics weiterhin fest zur Freizeitgestaltung der meisten Kinder.