Olympische Spiele: Hamburger Firma PROCON sorgt für richtigen Klang in Peking

Die geheime Mission des Derek Au

China-Chef desUnternehmens lebte lange in der Hansestadt. Auftrag für Expo 2010 in Shanghai schon gesichert.

Peking. Am morgigen Mittwoch steigt im Olympiastadion zu Peking die letzte von fünf Generalproben der Eröffnungsfeier - zwei mussten zuvor wegen Anti-Terror-Einsätze kurzfristig abgesagt und 20 000 Artisten heimgeschickt werden. Dass morgen mehr denn je Sicherheitsstufe eins herrscht, liegt auch am Geheimnis des Festaktes: Niemand soll vorher Details der Zeremonie an diesem Freitag kennen. Vor allem nicht die Art, mit der das Olympische Feuer in der Arena entzündet wird. Technisch fantasievoll oder traditionell? Ein engmaschiger Kontrollbereich und Tausende Polizisten und Ordner sollen garantieren, dass kein Fremder Zutritt erhält.

Ein Hamburger ist dennoch dabei. Wa-Lung Au alias Derek (damit sich die westlichen Geschäftspartner nicht die Zunge zerbrechen), China-Chef des Hamburger Unternehmens Procon, zählt zu jener Handvoll Mitarbeiter ausländischer Firmen, die jederzeit Zugang zum Heiligsten haben. "NST auf dem codierten Spezialausweis ermöglicht überall Durchgang. In China geboren, mit den Eltern nach Hongkong ausgewandert und später jahrelang in Hamburg wohnhaft, darf Derek Au sogar auf den Rasen des Olympiastadions - wegen seiner verästelten Architektur Vogelnest genannt.

Immerhin tragen er und seine Techniker Verantwortung dafür, dass Olympia einen erstklassigen Klang hat - akustisch zumindest. Im Auftrag des japanischen Konzerns Panasonic organisiert Procon mit Hauptsitz in der Hamburger Bredowstraße die Beschallung sämtlicher olympischer Sportstätten. Dieser Auftrag gleicht einem wirtschaftlichen Ritterschlag. Bis auf ganz wenige Ausnahmen vergibt das chinesische Organisationskomitee Bocog Jobs nur an einheimische Unternehmen. Aus Prinzip. "Unsere großen Pluspunkte sind Erfahrung und Know-how", sagt Derek Au bei einem geeisten Milchtee im Deutschen Haus innerhalb des Kempinski Hotels Beijing.

Hier ist während der Spiele der Deutsche Olympische Sportbund zu Hause, lädt Sportler, Medien, Wirtschaft und Politik zu Essen, Getränken und Gesprächen. Kerners Open-Air-Studio sowie die Kulisse zu Waldemar Hartmanns Nachtklub sind nebenan aufgebaut. Und immer ist Procon irgendwie im Geschäft. Geschätzter Auftragswert: rund vier Millionen Euro.

Dafür haben 50 lokale und 80 ausländische Techniker alle Hände voll zu tun. Etwa 30 von ihnen wurden aus Hamburg eingeflogen, einige sind seit Wochen in Chinas Hauptstadt am Wirken. Nicht nur die Beschallung muss tadellos funktionieren, auch Pressekonferenzen, Moderatoren, Stadionsprecher, Wettkampfrichter und Interviews sollen gut verständlich sein. Damit sich die Ausrichter keine Blöße geben. Insgesamt wurden 50 Kilometer Kabel verlegt. Seit Wochen eilt Derek Au von einem Ort zum anderen, um die Arbeiten unter Kontrolle zu haben. Zwischenmeldung: "Alles im grünen Bereich."

"Es kann losgehen", sagt Au, an seinem Tee nippend. Es habe sich bezahlt gemacht, dass der Hamburger Stammsitz neben den vier Deutschland-Filialen sowie sechs Büros in Zürich, London, Brüssel, Budapest, Paris und Kapstadt im Januar 2006 auch eine Vertretung in Shanghai mit zehn festen Mitarbeitern gründete. Insgesamt 400 Mitarbeiter des gesamten Unternehmens erwirtschafteten 2007 einen Umsatz von 93 Millionen Euro.

Für die Procon Event Engineering China Co. Limited in Suite 1017 Renmin Road 885 wurde mit Wa-Lung Au ein examinierter Ökonom gefunden, der zwei immense Vorteile garantierte: Mehrsprachigkeit sowie Kenntnis über Geschäftsgebaren und Mentalität auf beiden Seiten. Unverzichtbare Voraussetzung für Durchblick und Handlungsfähigkeit im chinesischen Kompetenzdschungel.

Bei den Vertragsverhandlungen mit Panasonic und somit indirekt den Olympia-Machern in Peking konnte Procon als Experte für die technische Ausstattung von Veranstaltungen und Fernsehproduktionen in den Bereichen Licht, Ton sowie Bühnen-, Video-, LED- und Kameratechnik antreten. Die Hamburger betreuten schon die Olympischen Spiele in Sydney und Athen, die Expo in Hannover (Auftragsvolumen rund 20 Millionen Euro), aber auch die Disneyland-Eröffnung in Hongkong und das TV-Format "Deutschland sucht den Superstar".

Dass Derek Au in diesem Jahr erneut kaum Urlaub nehmen kann, liegt am nächsten Job: Direkt im Anschluss an die Schlussfeier in Peking starten die Vorbereitungen für die Expo 2010 in Shanghai. Wieder ist voller Einsatz gefragt.