Heinrich Kieber, der Informant

Er gilt als herausragender Computerspezialist, als ein hochintelligenter und nach den Worten seines Anwalts "unauffälliger und sensibler Mensch": Der Liechtensteiner Heinrich Kieber (42), den der "Spiegel" nun erstmals mit vollem Namen nennt und der dem Bundesnachrichtendienst (BND) mehrere DVDs mit den Daten von 600 Deutschen verkaufte, von denen viele ihr Geld am Finanzamt vorbei in Stiftungen des Fürstentums anlegten. Für seine Informationen hat er nach Angaben des Nachrichtenmagazins gut 4,6 Millionen Euro erhalten, die gemäß dem pauschalen Satz für Informanten mit zehn Prozent besteuert werden. Einschließlich zusätzlicher Kosten hätten die brisanten Daten nahezu fünf Millionen Euro gekostet. Beim BND habe er sich erstmals am 24. Januar 2006 gemeldet, in einer E-Mail unter falschem Namen. Wo sich der Mann mit dem Spitznamen "Henry" derzeit aufhält, weiß nicht einmal seine Mutter - eine gebürtige Spanierin, die in der Schweiz lebt. Der Informant hat vom BND eine neue Identität und laut "Focus" zwei falsche Pässe erhalten. Denn auf den DVDs stehen nicht nur Daten reicher Deutscher. Unter den insgesamt 1400 darauf verzeichneten Kunden seien auch Adressen aus dem Bereich der organisierten Kriminalität auf dem Balkan und in Russland, wie der "Spiegel" schreibt. Weitere Daten habe Kieber den US-Behörden und laut "Sunday Times" für 135 000 Euro auch der britischen Steuerfahndung verkauft. Inzwischen ist klar, wie er an die Informationen gekommen ist: Als Angestellter der liechtensteinischen LGT Treuhand hatte er die Aufgabe, das Papierarchiv zu digitalisieren. Allerdings war er nach Angaben der Bank nur von April 2001 bis November 2002 dort beschäftigt. Anschließend versuchte er, mit den illegal kopierten Daten das Fürstentum zu erpressen - vergeblich. Vor seinem Einstieg bei der LGT führte Kieber laut "Spiegel" ein unstetes Leben, mit zahlreichen Jobs unter anderem bei der Swissair und mit einem dunklen Punkt: Nach Angaben der LGT wurde er wegen eines betrügerischen Immobiliengeschäfts in Spanien verurteilt.