Kupferhütte: Bekannte Kaufleute unterstützen Kurs des Senats

Christ und Karan steigen bei Affinerie ein

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Oliver Schade

Annäherung zwischen Konzernspitze und Großaktionär Kovats? Österreicher war überraschend in Hamburg.

Hamburg. Am Dienstagabend sorgte der Senat für einen Paukenschlag, als er auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekannt gab, dass die Stadt Hamburg mit fünf Prozent plus einer Aktie bei der Norddeutschen Affinerie (NA) eingestiegen ist. Hamburg will mit seinem Engagement in Höhe von rund 59 Millionen Euro den Einfluss des NA-Großaktionärs Mirko Kovats auf die Geschicke bei Europas größtem Kupferproduzenten mit Hauptsitz auf der Veddel begrenzen. Die Angst des Senats: Hamburg könnte Arbeitsplätze und die Unternehmenszentrale eines seiner wichtigsten Industriebetriebe verlieren. Gestern nun bekam der Senat überraschend Unterstützung von prominenten und wohlhabenden Kaufleuten, die eine enge Beziehung zur Hansestadt haben. Wie das Abendblatt erfuhr, haben sich der bekannte Hamburger Unternehmer Ian Karan und der frühere Chef des Hamburger Emissionshauses HCI, Harald Christ, ebenfalls an der Norddeutschen Affinerie beteiligt. Karan hat nach eigenen Angaben "etwas mehr als ein Prozent" erworben, Christ spricht bei sich von einem Engagement von "rund einem Prozent".

Da auch die HSH Nordbank, die rund fünf Prozent an der NA hält, als Unterstützerin des Senatskurses gelten kann, hat Hamburg für seine Interessen mittlerweile rund zwölf Prozent des Aktienkapitals hinter sich gebracht. Zum Vergleich: Gegenspieler Mirko Kovats hält über sein Unternehmen A-Tec 13,75 Prozent an der NA. Hinzu kommt die US-Investmentbank Morgan Stanley mit rund fünf Prozent. Der Rest ist in Besitz anderer institutioneller und privater Investoren.

Ende Februar könnten sich auf der NA-Hauptversammlung zwei Machtblöcke gegenüberstehen. Auf der einen Seite Kovats und seine Verbündeten, auf der anderen Seite die Stadt Hamburg mit ihren Sympathisanten. Bei dem Aktionärstreffen soll ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden, in den Kovats drängt. Zudem plant die NA-Führung eine Satzungsänderung, nach der wichtige Konzernentscheidungen nur noch mit einer 75-prozentigen Mehrheit der Hauptversammlung getroffen werden können.

Allerdings könnte es womöglich vor dem Aktionärstreffen zwischen der NA und Kovats zu einer Beilegung des internen Streits kommen. Der Österreicher war gestern zu einem Werksbesuch auf der Veddel und traf sich dort mit NA-Chef Bernd Drouven. Im Anschluss hieß es, das Gespräch sei "in einer angenehmen und konstruktiven Atmosphäre" verlaufen. "Die Chancen auf eine Einigung stehen recht gut", sagte ein Insider dem Abendblatt.

Unternehmer Karan begründete gestern sein Engagement bei der NA mit seiner "sozialen Verpflichtung" gegenüber einem großen Arbeitgeber in der Stadt. Es könne ihn nicht gleichgültig lassen, wenn mehr als 2000 Arbeitsplätze bei einem bedeutenden Industriebetrieb in Hamburg auf dem Spiel stünden. Christ, der heute Generalbevollmächtigter der Berliner Weber Bank ist, sprach von einer "Spur Lokalpatriotismus", die ihn zu dem Einstieg bei der NA bewogen habe. Der Topmanager, der früher auch Schatzmeister der Hamburger SPD war, hat nach eigenen Angaben rund elf Millionen Euro für seine Anteile bezahlt.

Unterstützung für ihr Engagement bekam die Stadt gestern nicht nur von der NA-Führung. Auch die Handelskammer und der Industrieverband Hamburg (IVH) zeigten Verständnis für den staatlichen Eingriff. Handelskammer-Präses Karl-Joachim Dreyer nannte den Aktienerwerb "vertretbar". Die NA gehöre zum industriepolitischen Kern Hamburgs "mit vielen positiven Effekten auf die mittelständische Wirtschaft der Stadt". Daher müsse die Führung der NA von Hamburg aus gewährleistet bleiben. IVH-Chef Frank Horch sprach von einem "sinnvollen Schritt". Zu einem vollkommen anderen Urteil kommt dagegen der Chef des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI, Thomas Straubhaar. "Der Senat spielt mit dem Feuer", so Straubhaar zum Abendblatt. Es handle sich um eine "hochriskante Angelegenheit". Die Stadt müsse sich fragen lassen, warum sie bei der NA mit Geld einsteige, andere Unternehmen dagegen nicht unterstütze. So könne schnell der Vorwurf erhoben werden, Hamburg engagiere sich erst ab einer bestimmten Unternehmensgröße. Zudem sei die Höhe des Anteils von fünf Prozent plus einer Aktie nicht logisch zu erklären. Die Stadt laufe Gefahr, noch weitere Anteile kaufen zu müssen, um Einfluss geltend zu machen.

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