Die letzte Fahrt der England-Fähre

Die "Admiral of Scandinavia" ist verkauft. Weil ein Nachfolgeschiff fehlt, muss die einzige deutsch-englische Fährverbindung ruhen.

Hamburg. Die Nachricht kam direkt vom Vorstand der dänischen Reederei DFDS-Seaways aus Kopenhagen. Und sie kam überraschend. Deutschlands einzige Fährverbindung nach England wird vorübergehend stillgelegt. Der Grund: Die als England-Fähre bekannte "Admiral of Scandinavia" wurde an eine griechische Reederei verkauft und ein Nachfolgeschiff steht noch nicht bereit. "Wir bedauern die Entscheidung", sagte Sybille Waldt, Geschäftsführerin DFDS Deutschland, dem Abendblatt. Am 13. November wird die letzte Abfahrt von Cuxhaven sein, bevor die 1976 - damals als "Kronprins Harald" für die heutige Color Line - gebaute Fähre ins Mittelmeer überführt wird. 500 Buchungen, die für den Zeitraum danach vorliegen, müssen nun auf die Strecken vom dänischen Esbjerg nach Harwich oder von Amsterdam nach Newcastle umgebucht werden. "Die Briefe an die Kunden sind bereits rausgegangen", sagt sie. 42 der 54 deutschen Besatzungsmitglieder sollen unter Vertrag bleiben. Zwölf würden ihre Jobs verlieren. Mehr als 32 Jahre lang waren zunächst drei Schiffe unter dem Namen "Prinz Hamlet" und seit 1987 die damals von Heidi Kabel getaufte "MS Hamburg" zwischen der Hansestadt und dem britischen Hafen Harwich gependelt. Sie wurde später in "Admiral of Scandinavia" umbenannt. Dann wurde der Ausgangshafen vergangenen März von Hamburg nach Cuxhaven verlegt. Damals unkten Branchenkenner bereits, dies sei eine Schließung der Verbindung auf Raten. Vor allem immer billigere Flüge nach London zogen Passagiere vom Seeweg ab. Kommt nun das endgültige Aus - getarnt als vorübergehende Stilllegung? "Nein, die Verhandlungen für ein Nachfolgeschiff laufen auf Hochtouren", betont Sybille Waldt. Details dürfe sie aber nicht verraten, da die Verträge noch nicht unterzeichnet seien. Doch sie gibt zu: "Die Billigflieger nach London sind eine Konkurrenz für uns. Sie waren der Grund für die Verlegung der Fähre von Hamburg nach Cuxhaven." Das liege weiter im Westen, was das Einzugsgebiet vergrößert habe. Die Fahrtdauer verkürzte sich außerdem von 19 auf 16 Stunden. "Die Entscheidung war richtig", sagt sie. "Im Vergleich zu 2001, als wir zwischen Hamburg und Harwich rund 165 000 Passagiere befördert haben, gab es in diesem Jahr einen Anstieg um 15 Prozent." Im dritten Quartal nutzten 60 000 Passagiere die Verbindung - zwölf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, der noch komplett von Hamburg aus bedient wurde. Der Anteil Hamburger Kunden sei dabei zum Vorjahr von 30 auf 24 Prozent gesunken, der von Schleswig-Holsteinern von 15 auf elf Prozent. Aus Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen habe es Zuwächse von zwei und sechs Prozent gegeben. Zum Vergleich: Auf der täglichen Strecke Amsterdam-Newcastle (seit 1995) fahren jährlich eine halbe Million Passagiere. Die Sommerlinie Hamburg-Newcastle (seit 1993) wurde daher 2000 eingestellt. "Die Fortsetzung des Passagierdienstes auf der Linie Cuxhaven-Harwich ist ab April 2003 geplant", hieß es aber gestern auch aus dem DFDS-Hauptquartier in Kopenhagen. Das favorisierte Ersatzschiff, das die Dänen chartern wollen, sei erst dann verfügbar. Für den Frachtverkehr werde die Tochter Tor Line eventuell eine reine Frachtfähre von Cuxhaven einsetzen. Infos unter www.dfdsseaways.de oder Telefon: 040/389 03 71.