Peking-Hamburg-Express: Längste Güterzugverbindung der Welt

In 15 Tagen von China nach Europa

Bahnchef Mehdorn strebt tägliche Verbindung an. Fahrtzeit soll auf zehn Tage verkürzt werden. Alternative zur Luft- und Schiffsfracht.

Hamburg. Nieselregen. Alles grau in grau. Trotz des Schmuddelwetters gab es gestern einen "großen Bahnhof" für den ersten Güterzug der Deutschen Bahn aus Peking. Punkt 9.40 Uhr begrüßte Bahnchef Hartmut Mehdorn mit einem Feuerwerk und rund 100 internationalen Gästen den einlaufenden "Peking-Hamburg-Container-Express" im Güterbahnhof Alte Süderelbe im Hafen. Die rund 10 000 Kilometer lange Strecke hatte der Zug in weniger als 15 Tagen Fahrzeit zurückgelegt - und war damit deutlich schneller als geplant. Ursprünglich sollte der Zug erst nach etwa 20 Tagen die Hansestadt erreichen. Doch die Fahrt verlief offenbar komplikationsloser als befürchtet.

"Unser Ziel ist es, die Strecke künftig in zehn Tagen zu fahren", sagte Mehdorn. Dazu müssten allerdings die Grenz- und Zollformalitäten zwischen den sechs beteiligten Ländern beschleunigt werden. Dem Bahnchef schwebt vor, dass künftig "möglichst täglich ein Zug jeweils in beide Richtungen startet".

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Der Peking-Hamburg-Container-Express ist nach Ansicht des Bahnchefs ein "Produkt der Zukunft" - ja "ein Schritt in eine neue Ära des Welthandels". Der Güterzug zwischen Asien und Europa sei eine Alternative zur schnelleren, aber deutlich teureren Luftfracht sowie zur deutlich langsameren Schifffahrt.

Zum Vergleich: Ein dreistrahliger Transporter der Lufthansa braucht für die Distanz Peking-Hamburg rund neun Stunden. An Bord ist Platz für 90 Tonnen Fracht - oder auch 22 Flugzeugcontainer, die jedoch deutlich kleiner sind als Schiffsstandardcontainer (TEU). Auf den Containerschiffen von Hapag-Lloyd haben 8750 Container Platz - und brauchen für die Strecke 26 Tage bei sechs bis acht Stopps. Der jetzige Test-Güterzug bestand wiederum aus 49 Containern - beladen mit Bekleidung, Schuhen und Elektrogeräten.

Mehdorn sieht für die neue Schienenverbindung einen großen Bedarf. Die Exporte der EU nach China legen seit Jahren zweistellig zu. Gleichzeitig sei China auf dem besten Wege, Deutschland den Rang als Exportweltmeister abzulaufen. Mehdorn will vor allem Frachten auf die Bahn bringen, die schnell sein müssen, für die aber fliegen zu teuer ist - wie beispielsweise Aktionsware der Modeindustrie. "Die Güterzugverbindung soll ein Standardprodukt für unsere Kunden in Europa und Asien werden."

Schon die erste Testfahrt wertete Mehdorn als Erfolg. Und seine Kollegen der kooperierenden Eisenbahnen stimmten dieser Einschätzung zu. Die Bahngesellschaften hätten es gemeinsam geschafft, viele bürokratische Hürden zu überwinden.

Die Strecke zwischen Peking und Hamburg ist heute die längste Zugstrecke der Welt. Von Peking aus geht es durch China, die Mongolei, durch Russland, Weißrussland und Polen nach Deutschland. Auf seiner Reise wird der Zug zweimal auf andere Schienen-Spurweiten umgesetzt. An der chinesisch-mongolischen Grenze in Erlianhot/Zamyn Ude von Normalspur (1435 mm) auf russische Breitspur (1520 mm) und an der weißrussisch-polnischen Grenze in Brest/Malaszewicze wieder auf Normalspur. Dabei werden die Container auf Tragwagen mit jeweiliger geforderter Spurweite umgehoben. Die Züge werden immer von einem Lokführer gelenkt, die jeweils nach mehreren hundert Kilometern abgelöst werden - spätestens aber an den Landesgrenzen. Die letzte Wegstrecke von Maschen nach Hamburg durfte der Lokführer Dirk Fahrenkrug (42) mit einer neuen knallroten Railion-Lok übernehmen. "Der Zug fährt sich wie jeder andere", sagte er trocken. Eine Besonderheit gibt es jedoch auch für die Fahrt durch Deutschland: Da in der Bundesrepublik Züge nur maximal 700 Meter lang sein dürfen, wurde der Transport in zwei Züge à 24 und 25 Waggons aufgesplittet.

Und warum gerade Hamburg als Ziel? Für Bahnchef Mehdorn keine Frage: "Hamburg hat das größte Schienenverkehrskreuz in Europa. Hier lassen sich Container von und nach Europa fantastisch verteilen und einsammeln. Hamburg ist das richtige Ziel." Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust freute sich, dass der Zug seine Endstation in Hamburg hat: "Das ist ein Bekenntnis zum Logistikstandort Hamburg." Die Bahn sieht er nicht als Konkurrenz, sondern als "wertvolle Ergänzung" zum Hafen Hamburg.