Stadt verkauft Anteile an Beiersdorf mit Gewinn

| Lesedauer: 3 Minuten

HAMBURG. Der Verkauf eines zehnprozentigen Anteils am Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf ist für die Stadt Hamburg erfolgreich verlaufen. Innerhalb von nur 24 Stunden fanden die 25,2 Millionen Anteilsscheine einen Käufer. Übernommen wurden sie von 100 verschiedenen Investoren, unter anderem aus Deutschland, den USA, Spanien, den Niederlanden, Hongkong, Großbritannien und der Schweiz, sagte gestern Finanzsenator Michael Freytag (CDU). Darunter waren auch fünf Großanleger, die zusammengerechnet zehn Millionen Aktien erwarben.

Der erzielte Preis von 48 Euro pro Papier lag zwar am unteren Ende der Erwartungen der Stadt, die mit bis zu 50 Euro gerechnet hatte, aber dennoch gab es bei der Transaktion unterm Strich noch einen kleinen Gewinn von rund sieben Millionen Euro abzüglich aller Kosten. Die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsverwaltung (HGV) stieg im Oktober 2003 mit zehn Prozent bei dem Unternehmen ein. Damals bot die Allianz 44 Prozent der Aktien zum Verkauf an. Der US-Konzern Procter & Gamble wollte diese übernehmen. Beiersdorf drohte die Gefahr einer Zerschlagung. "Wir haben uns an dem Unternehmen beteiligt, um es am Standort zu halten und um Arbeitsplätze und Steuereinnahmen für Hamburg zu sichern", sagte Freytag. "Wir sind sehr dankbar, dass die Stadt damals bei uns eingestiegen ist", sagte gestern Beiersdorf-Sprecherin Manuela Rousseau dem Abendblatt.

"Um Arbeitsplätze und Firmen zu sichern, wäre Hamburg grundsätzlich wieder zu einer Beteiligung auf Zeit bereit", sagte Freytag - auch mit Blick auf das geplante Engagement der Stadt beim Flugzeugbauer Airbus.

Die HGV hatte im Oktober 2003 exakt 44,98 Euro pro Beiersdorf-Aktie bezahlt. Der Kauf wurde durch einen Kredit über 1,133 Milliarden Euro finanziert. Die Konditionen waren damals günstig. Beim Zinssatz stand zu Beginn sogar noch eine zwei vor dem Komma, später eine drei. Dennoch hat der Kredit die Stadt über die drei Jahre hinweg mehr gekostet als über die Dividendenzahlungen von Beiersdorf in die Kasse der HGV geflossen waren. HGV-Geschäftsführer Andreas Reuß muss mit dem gestern erzielten Verkaufserlös in Höhe von 1,21 Milliarden Euro deshalb nicht nur den Kredit tilgen, sondern auch über die vergangenen drei Jahre aufgelaufene Zinskosten in Höhe von rund 68 Millionen Euro ausgleichen.

Freytag betonte, die Stadt habe das Engagement immer nur auf Zeit angelegt. Jetzt sei man ausgestiegen, weil mit dem Hamburger Tchibo-Konzern ein langfristig orientierter Anteilseigner die Mehrheit an Beiersdorf halte und der Kurs der Aktie so war, dass die Stadt ohne Verlust verkaufen konnte. Warten auf einen höheren Kurs und damit einen höheren Verkaufserlös wollte Freytag nicht. "Es ist nicht meine Aufgabe als Finanzsenator, zu spekulieren", sagte er.

Die Beiersdorf-Aktie war gestern wegen des Verkaufs der Anteile unter Druck geraten. Zum Schluss des Xetra-Handels notierte das Papier mit 47,81 Euro 4,09 Prozent unter dem Vortageswert.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft