RECYCLING: IN CHINA WERDEN PET-FLASCHEN WEITERVERARBEITET

Dieser Pulli war mal eine Flasche

Hamburger Firma kauft PET-Flaschen auf und verschifft sie nach China. So werden aus ihnen Pullover und Teppiche. Das Geschäft boomt. Jetzt sollen Teile der Verarbeitung zurück nach Deutschland verlegt werden.

Hamburg. Das Gebäude ist klein und unscheinbar, der Briefkasten neben der Tür behelfsmäßig mit Klebeband befestigt. Nur ein großes Schild über der Tür lässt erahnen, dass hier ein Hamburger Unternehmen seinen Sitz hat. Ein schmaler Weg führt an dem Gebäude vorbei auf einen riesigen Hinterhof. Dort stapeln sich palettenweise gepresste Plastikflaschen. Etiketten und Deckel fliegen im herbstlichen Wind zwischen den großen blauen Lagerhallen hin und her.

Hier in Wilhelmsburg spielen die stinkenden gebrauchten Flaschen eine große Rolle. Denn das Unternehmen PET-Recycling lebt vom Ankauf und der Weiterverarbeitung der gebrauchten Getränkebehälter. Doch was nur wenige wissen: Die Flaschen, die PET-Recycling aufkauft, finden bei modebewussten Frauen reißenden Absatz. Denn sie werden weiterverarbeitet und enden nicht selten in Textilfabriken in Asien.

Täglich werden 120 Tonnen alter Flaschen angeliefert

Das Geschäft von PET-Recycling boomt. Zwölf Millionen Euro setzte das Unternehmen im vergangenen Jahr um. In diesem Jahr sollen es bereits 15 Millionen sein. Täglich werden 120 Tonnen alter PET-Flaschen (Polyethylenterephthalat) angeliefert. Das sind rund zwei Millionen Trinkbehälter von Aldi, Lidl, Plus und anderen Supermarktketten. Sie kommen aus ganz Nord- und Ostdeutschland. "Und es werden immer mehr", sagt Geschäftsführer und Unternehmensgründer Muttalip Gültekin. "Denn viele Getränkeproduzenten stellen jetzt Stück für Stück auf die leichten und beliebten PET-Flaschen um."

Seit der Einführung des Dosenpfands im Jahr 2003 kommen Plastikflaschen nicht mehr in den Gelben Sack, sondern gehen zurück in die Supermärkte. Die Händler suchten einen Abnehmer für ihren Müll. Und Gültekin stand mit seiner Geschäftsidee bereit. Er nahm den Händlern die Flaschen ab und verkaufte sie weiter nach Asien. "Ich habe den richtigen Zeitpunkt erwischt, um mich mit der Geschäftsidee selbstständig zu machen", sagt der Unternehmensgründer.

Mittlerweile gehört PET-Recycling zu einem großen asiatischen Unternehmen. Die Hangzhou Fuxing Group importiert die alten Plastikflaschen aus Deutschland nach China und in die Türkei. "Dort werden die Flaschen zu einer Polyesterfaser weiterverarbeitet", so Gültekin. "Und auf diese Weise wird aus der Flasche ein Pullover oder ein Teppich."

Und das funktioniert so: PET-Recycling kauft von den Händlern die leeren, gebrauchten Flaschen auf. Die Preise für den Plastikmüll werden jeden Monat neu verhandelt. Zuletzt kostete eine Tonne weißer Plastikmüll beispielsweise zwischen 220 und 270 Euro. Bunte Flaschen hingegen waren schon für 40 bis 130 Euro pro Tonne zu haben.

"Der Müll wird per Lkw hierher geliefert, zu handgroßen Stücken zerschnitten und in Ballen gepresst", sagt Gültekin. Täglich verlassen fünf bis sechs 40-Fuß-Container gefüllt mit diesen Ballen den Hamburger Hafen in Richtung China, in den Hafen von Shanghai.

Von dort geht es mit dem Lastwagen weiter bis in die Fabrik des Unternehmens in Fuang. Hier werden die handgroßen Plastikteile nach Farben sortiert, zumeist in Handarbeit. "Noch gibt es kein Gerät, das diese Arbeit zuverlässig leisten kann", sagt Gültekin. Das Material wird geschreddert und gewaschen. Jetzt folgt der entscheidende Schritt. Die Schnipsel werden verschmolzen. Es entstehen lange dünne Fasern, die auf eine Rolle gezogen werden. So gelangen die ehemaligen PET-Flaschen in die nächste Fabrik, wo sie zu Kleidung oder Teppichboden weiterverarbeitet werden. Um sie zurück nach Deutschland zu exportieren.

"Mit der Einführung des Pfands für PET-Flaschen hat sich ein interessanter Markt entwickelt", sagt auch der Hauptgeschäftsführer der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK), Jürgen Bruder. Die IK beobachtet als Interessenvertretung der deutschen Kunststoffpackmittelindustrie die Entwicklungen in der Branche genau. "Zu Beginn ist die bis dahin eingespielte Struktur bei der Wiederverwertung von PET zusammengebrochen, zu viele gebrauchte Flaschen wurden nach Asien geliefert." Mittlerweile habe sich ein Gleichgewicht ergeben aus exportierenden Unternehmen und Projekten, die die Flaschen in Deutschland oder Europa weiterverwerten.

Die gebrauchten Flaschen seien in Asien ganz besonders gefragt. "Die meisten PET-Flaschen werden zu Textilien weiterverarbeitet. Da die chinesische Textilindustrie die größte ist, wird dort auch besonders viel Rohstoff benötigt", so Bruder. "Zudem ist das gebrauchte PET oftmals hochwertiger, und es ist vor allem günstiger, als neuwertiges Material zu beschaffen."

Auch die deutsche Pfandsystem GmbH hat sich nach anfänglicher Skepsis mit dem Pfandsystem abgefunden und sogar angefreundet. "PET ist einfach ein hochwertiges Material, aus dem somit viele verschiedene hochwertige Materialien hergestellt werden", sagt der Geschäftsführer Bernd Sieberger. "Und es ist wichtig, dass ein solches Material nicht auf dem Müll verschwindet."

Für 2007 ist eine eigene Fabrik in Deutschland geplant

In Hamburg bei PET-Recycling laufen die Geschäfte derzeit so gut, dass das Unternehmen in diesem Jahr in eine eigene Fabrik investieren will. Ein Teil der Verarbeitung wird zurück nach Deutschland verlagert. Vom kommenden Jahr an sollen die Plastikflaschen bereits hier sortiert, zerkleinert und gewaschen werden. "Denn wir sparen Gewicht, und das ist bei dem Transport über See bares Geld", sagt Gültekin. So können zu den derzeit 16 Mitarbeitern 2007 schnell weitere 30 bis 40 Kollegen gebraucht werden. Allerdings nicht auf dem kleinen Gelände in Wilhelmsburg, sondern auf einem größeren Grundstück, weiter außerhalb der Stadt.