Schiffs-TÜV: Eklat beim Aktionärstreffen

Hamburg. Das Bieterrennen um den Germanischen Lloyd (GL), der in Hamburg mehr als 1300 und weltweit 3200 Mitarbeiter beschäftigt, verschärft sich dramatisch. Nach dem französischen Konkurrenten Bureau Veritas und dem Hamburger Kaufmann Günter Herz hat am Freitag auch der TÜV-Süd ein Übernahmeangebot für den GL vorgelegt. Schon allein wegen der zahlreichen Interessenten hat sich der mögliche Kaufpreis für das Unternehmen innerhalb nur eines Tages von bislang rund 500 Millionen Euro auf 550 Millionen Euro erhöht.

Am Freitag trafen sich die 50 Aktionäre des GL in der Unternehmenszentrale des Hamburger Schiffs-TÜV, um ihr Vorgehen abzustimmen. Das Treffen verlief nach Informationen des Abendblatts sehr unharmonisch. So sollen die Anteilseigner etwa Gunther Bonz, den Staatsrat der Wirtschaftsbehörde, gebeten haben, den Versammlungsraum zu verlassen. Bonz war von der Geschäftsleitung des GL eingeladen worden, weil es bei einem Verkauf des Hamburger Traditionsunternehmens auch um die Belange der Hansestadt Hamburg geht. Man wolle unter sich sein, sagten Anteilseigner zu Bonz, der dann ging.

Die Aktionäre haben bei dem Treffen mit dem Vorstand des GL detaillierte Zahlen über die künftige Strategie, die Ermittlung des Unternehmenswerts und die Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Unternehmens eingefordert. Die will der Vorstand in den nächsten Tagen vorlegen - noch bevor am kommenden Freitag ein weiteres Treffen der Anteilseigner stattfindet.

Bei dem Treffen hat sich nach den Informationen des Abendblatts eine maßgebliche Aktionärsgruppe unter Führung der Commerzbank zusammengetan. Sie will einen Pool bilden, um bei möglichen Verkaufsverhandlungen geschlossener auftreten und damit den für die Aktionäre bestmöglichen Preis erzielen zu können. Bislang hatten die Aktionäre die Gespräche allein dem GL-Vorstand überlassen.

Unterdessen hat Bureau Veritas am Freitag bekräftigt, weiterhin den GL übernehmen zu wollen. Die Franzosen kündigten an, eine neue, höhere Offerte für den GL vorzulegen. "Wir sind sicher, dass unser Angebot die Aktionäre in allen Belangen überzeugen wird. Wir werden unsere Offerte in wesentlichen Teilen nochmals überarbeiten", sagte Frank Piedelièvre, der Vorstandsvorsitzende von Bureau Veritas. Gleichzeitig versprach er, dass "Sorgen um die Arbeitsplätze beim GL" bei einer Übernahme durch die Franzosen "unbegründet" seien und auch der Standort sicher sei.

Der TÜV-Süd erklärte, er wolle die Mehrheit am GL übernehmen. Der Abbau von Arbeitsplätzen durch eine Übernahme stehe auch hier nicht zur Diskussion. Der TÜV-Süd hat bereits vor zwei Jahren den TÜV-Hanse von der Stadt übernommen und in die Gewinnzone geführt.