Deutschlands schnellstes Internet

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Nikos Späth

Wilhelm.Tel: Neues Angebot. Norderstedter starten 100-Megabit-Verbindung. Glasfaserausbau in Hamburg. Bundesliga-Vertrag mit Pay-TV-Sender Arena.

Hamburg. Der Kampf um Kunden im rasant wachsenden Breitband-Internetmarkt geht in eine neue Runde. Ab sofort bietet der Norderstedter Kabelanbieter wilhelm.tel einen 100 Megabit (Mbit) schnellen Internet-Zugang an. "Damit sind wir bundesweit das erste Unternehmen mit dieser Geschwindigkeit", sagt Geschäftsführer Theo Weirich dem Abendblatt. Mit dem neuen Angebot ist wilhelm.tel der Deutschen Telekom, HanseNet oder Arcor weit voraus. Deren schnellste DSL-Leitungen schaffen über herkömmlichen Kupferdraht nur 16 bis 25 Mbit pro Sekunde. Bei Kabel Deutschland, wilhelm.tels direktem Wettbewerber, kann man mit höchstens 8,2 Mbit in der Datenwelt surfen.

Der schnelle Breitbandzugang soll inklusive Flatrate 36,10 Euro im Monat kosten. Hinzu kommen Gebühren für den Telefonzugang. Als Mieter kann man das Hochgeschwindigkeitspaket aber nicht bestellen. Denn wilhelm.tel rüstet nur komplette Ein- oder Mehrfamilienhäuser aus - inklusive TV-Kabelanschluß. Er ist Voraussetzung, um auch telefonieren und surfen zu können. Deshalb zielt wilhelm.tel vor allem auf Wohnungsbaugenossenschaften als Kunden ab. Schon 14 der 31 Hamburger Bauvereine sind unter Vertrag. Mit acht weiteren werde verhandelt. Erklärtes Ziel von wilhelm.tel ist es, in den nächsten Jahren Hamburgs größten Vermieter SagaGWG als Kunden zu gewinnen. Noch ist die Wohnungsbaugenossenschaft an Kabel Deutschland gebunden.

Das zu den Stadtwerken Norderstedt gehörende Unternehmen sieht sich als sogenannter Triple-Play-Anbieter. Telefonie, Internet und Fernsehen kommen dabei aus einer Steckdose. In Norderstedt hat wilhelm.tel im Bereich Telefonie bereits 60 Prozent Marktanteil, beim Fernsehen sogar 80 Prozent. "Wir haben Kabel Deutschland verdrängt", sagt Weirich.

Bei der Expansion kommt dem Unternehmen sein eigenes Glasfasernetz zugute. 34 000 Wohnungen in Norderstedt sind mit der Zukunftstechnologie angeschlossen. In Hamburg, wo das Unternehmen aus Schleswig-Holstein unter der Marke willy.tel auftritt, sind es 70 000 - mit stark wachsender Tendenz. 40 000 davon seien allein in diesem Jahr hinzugekommen, sagt Weirich. Zum Jahresende sollen insgesamt 200 Kilometer Kabel in der Hansestadt verlegt worden sein.

Allerdings schläft die Konkurrenz nicht. Die Deutsche Telekom wird noch vor Beginn der Bundesliga-Saison im August ihr neues Glasfasernetz in Betrieb nehmen. In zunächst zehn Städten, darunter Hamburg, werden die bis zu 50 Mbit schnellen Verbindungen bereitstehen. Dafür haben die Bonner 500 Millionen Euro investiert. Neben Bundesliga-Fußball live in Kooperation mit Premiere wird die Telekom weitere 100 Sender im internetbasierten IP-TV ausstrahlen.

Auch HanseNet steht schon in den Startlöchern. 600 Kilometer Glasfaserkabel will die Tochter der Telecom Italia in Hamburg verlegen. Dafür will HanseNet die vorhandenen Rohre der Telekom mitnutzen - aber die weigert sich. HanseNet müßte dann eigene Kabelschächte ins Erdreich treiben. Die Wirtschaftsbehörde versucht derzeit zu vermitteln.

Wilhelm.tel indes kommt die Verzögerung sehr entgegen. Denn auch beim Fernsehangebot, bei dem das Unternehmen auch mit HanseNet ("Alice Home TV") konkurriert, sehen sich die Norderstedter gut gerüstet: 58 analoge und 160 digitale Sender umfaßt das Standardpaket, das je nach Mietumlage in der Regel zwischen fünf und zehn Euro im Monat kostet. Zudem hat wilhelm.tel rechtzeitig mit Bundesliga-Rechteinhaber Arena einen Nutzungsvertrag unterzeichnet. Maximal 19,90 Euro im Monat soll das Fußballangebot kosten. Kabel Deutschland dagegen verhandelt noch.

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