Siemens-Chef: Die Rolex störte

Foto: DPA

Warum Klaus Kleinfeld seine Uhr vom Foto entfernen ließ.

Hamburg. Klaus Kleinfeld ist ein Chef zum Anfassen. Der 47jährige Arbeitersohn, der seit Donnerstag die Geschicke des größten deutschen Technologiekonzerns Siemens lenkt, läßt sich gerne duzen. Und in Besprechungsrunden bestellt er schon mal Pizza für alle, trinkt grünen Tee und Cola-Light. "Er beherrscht die Sprache der einfachen Leute", sagte Siemens-Chef Heinrich von Pierer kürzlich über seinen Nachfolger.

Doch das Foto, das im Vorfeld zu Kleinfelds Amtseinführung in vielen Medien erschien, zeigte nicht nur einen jung-dynamischen Topmanager, sondern auch einen Selfmademan, der seine Rolex-Uhr am Handgelenk präsentiert. Modell Submariner Date, Listenpreis 3270 Euro. Beim Betrachten der Bilder müssen bei Kleinfeld Zweifel aufgekommen sein, ob so eine Uhr die richtige Botschaft übermittelt. Jedenfalls stellte er den Medien zu seiner Amtseinführung ein zweites Bild zur Verfügung. Das gleiche Motiv, nur ohne Uhr.

"Wir haben das Foto digital am Bildschirm bearbeitet. Das war der Wunsch von Herrn Kleinfeld. Er hatte keine Zeit für ein zweites Foto-Shooting", sagt Judith Egelhof von der Publicis Kommunikationsagentur in München dem Abendblatt. "Uns erschien die Uhr auf dem Foto zu dominant, das war einfach ein handwerklicher Fehler des Fotografen", rechtfertigt Siemens-Sprecher Andreas Fischer die Entscheidung gegenüber dem Abendblatt.

Das Originalfoto hatte Siemens bereits Ende Juli 2004 verteilt. Unter anderem wurde es von der Presseagentur dpa genutzt. Kurz vor Kleinfelds Amtsantritt schob der Konzern dann das "korrigierte" Bild nach. Ein einmaliger Vorgang. "Wäre uns die Manipulation aufgefallen, hätten wir das neue Foto nicht verbreitet", sagt dpa-Bildchef Bernd von Jutrczenka dem Abendblatt.

War Kleinfeld schlecht beraten? "Ich hätte ihm auch den Rat gegeben, auf ein gehobenes und wertiges Image Wert zu legen, aber nicht mit Hilfe von Statussymbolen wie einer Rolex oder einem Luxusauto", sagt Hannelore Herz, Kommunikationstrainerin aus Hannover. So etwas signalisiere dem Gegenüber: "Ich stehe über Dir." Angelica Egerth, Imageberaterin aus Berlin, findet es "absolut legitim, seinen Stil und sein Auftreten von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Die Menschen wachsen schließlich in Aufgaben und Positionen hinein." Sie empfiehlt, sich von Fachleuten beraten zu lassen, "welche Signale man aussendet".

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.