Hamburgs neue Offensive für China

FORUM der Wirtschaft. Mit einer neuen, hochkarätigen Veranstaltung will die Stadt die Verbindung zu dem asiatischen Land stärken.

Hamburg Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hat sich für die Idee schon begeistert, auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust will das Projekt unterstützen, genauso wie Wirtschaftssenator Gunnar Uldall. "Wir wollen in Hamburg von 2003 an ein China-Forum schaffen, das einmal im Jahr stattfinden soll", sagte Handelskammer-Präses Nikolaus W. Schües dem Abendblatt. Dieses Forum solle keine Veranstaltung mit Plaudercharakter sein, sondern genauso hochkarätig wie das Weltwirtschaftsforum in Davos, zu dem Manager, Politiker und Querdenker aus aller Welt anreisen und Probleme und Lösungen für die Weltwirtschaft diskutieren. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die von großen Hamburger Stiftungen finanziert werden soll, stehe die Rolle Chinas in der Weltwirtschaft. "Hamburg ist für China der wichtigste Standort auf dem europäischen Kontinent. Das ist ein strategischer Vorteil, den wir nutzen und ausbauen müssen. Ein solches Forum in Hamburg wäre ein hervorragendes Instrument dazu", sagte Uldall. "Als Gäste und Redner der ersten Veranstaltung könnte ich mir unter anderen den früheren US-Außenminister Henry Kissinger vorstellen, den Hongkonger Unternehmer Victor Fung, den designierten Chef der Welthandelsunion (WTO), Supachai Panetchpagdi, Siemens-Chef Heinrich von Pierer, den chinesischen Staatspräsidenten Jiang Zemin, der zuvor Bürgermeister von Hamburgs Partnerstadt Shanghai war, oder den Soziologen Ralf Dahrendorf", sagte Corinna Nienstedt, Leiterin der Abteilung International, der Handelskammer. Mit 230 Unternehmen vom chinesischen Festland und mit rund 50 aus Taiwan ist die Hansestadt die europäische Metropole mit dem meisten chinesischen Firmen. Und Hamburg hat den europaweit führenden Hafen im Chinageschäft. "Allein in den kommenden zwei bis fünf Jahren rechnen wir im Chinaverkehr von Hamburg aus mit Steigerungsraten von zwei bis fünf Prozent", so Corinna Nienstedt. Rund 700 Hamburger Firmen machen derzeit bereits Geschäfte mit dem bevölkerungsreichsten Land der Welt. Nach dem Beitritt Chinas in die WTO wird das Land für den Westen immer interessanter. Nicht nur, dass der asiatische Staat, der auf ein Wirtschaftswachstum von weit mehr als sieben Prozent pro Jahr verweisen kann, nun seinen Binnenmarkt stärker für ausländische Investoren öffnet, auch Chinas große Konzerne werden noch mehr Niederlassungen im Ausland gründen. "Wir sind im Moment mit großen chinesischen Unternehmen im Gespräch, wollen sie von Hamburg als Standort für ihre Europazentrale begeistern", sagt Bernd Riegerl von der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF), der gerade aus China zurückkam. Im Wettkampf der Metropolen dürfte Hamburg einen Joker in der Hand haben. Hamburg heißt auf chinesisch Hanbao, und das bedeutet "Burg der Chinesen". Die Hansestadt sei die bekannteste deutsche Metropole in China, so Corinna Nienstedt. Durch das neue Wirtschaftsforum soll die Bekanntheit der Hansestadt noch weiter zunehmen.