Neue Insolvenz bei Brinkmann

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Rainer Horn

PLEITE Doch die Mitarbeiter von Brinkmann in der Spitalerstraße geben die Hoffnung nicht auf.

Hamburg Bis kurz vor elf Uhr mussten die Kunden gestern Morgen bei Brinkmann in der Spitalerstraße warten, bevor sich die Türen öffneten. Auf einfachen DIN-A4-Blättern stand der Grund: "Heute findet ab 9 Uhr eine Betriebsversammlung statt. Wir bitten um Ihr Verständnis." Ein einfacher Computerausdruck, der die Kunden des alten Hamburger Technikkaufhauses nicht ahnen ließ, um was es bei dem Zusammentreffen der 525 Verkäufer und Verkäuferinnen sowie den rund 25 Verwaltungsangestellten ging. Denn zeitgleich stellte die Brinkmann GmbH gestern erneut einen Insolvenzantrag - den zweiten in nur 15 Monaten. "Das ist bestürzend", sagte Nicole Elsner von der Gewerkschaft Ver.di. Die Betriebsversammlung sei sehr emotional abgelaufen, die Beschäftigten seien zwar bedrückt, aber zugleich gefasst und nicht resignierend gewesen. "Die Brinkmann-Mitarbeiter arbeiten seit 15 Monaten unter einer besonderen psychologischen Belastung, haben sich tapfer für das Überleben ihres Unternehmens eingesetzt und jetzt diese bittere Nachricht", so Elsner weiter. Tatsächlich wollen die Mitarbeiter trotz der erneut drohenden Schließung alles tun, um ihr Kaufhaus ein zweites Mal zu retten. "Wir sind bereit, auf soziale Zulagen wie Essens- und Fahrgeldzuschüsse oder Weihnachtsgeld zu verzichten, wodurch 30 000 Euro im Monat gespart werden könnten", sagte der Betriebsratsvorsitzende Joachim Boyens. Auch eine Reduzierung der Verkaufsfläche und die Schließung bestimmter Abteilungen wie Küchenmöbel, Heimwerker, Koffer und Sanitär sind bereits seit einigen Wochen geplant. "Das Konzept von Brinkmann ist nicht schlecht. Kein anderes Kaufhaus im Norden hat so viel Beratungspersonal wie wir", so Boyens. Das Stammhaus in der Spitalerstraße, das heute als Brinkmann GmbH firmiert, ist allerdings die einzige Filiale des ehemaligen Mutterkonzerns Ernst Brinkmann KG, die heute noch den traditionsreichen Namen führt. Nach der ersten Insolvenz der gesamten Brinkmann-Kette mit mehr als 40 Märkten und 4500 Beschäftigten bundesweit Anfang Februar 2001 konnte der Hamburger Insolvenzverwalter Burckhardt Reimer 23 Filialen und 2300 Arbeitsplätze durch Verkäufe retten. Für die einstige Hauptfiliale des 1929 gegründeten Unternehmens in der Spitalerstraße kam erst Ende Oktober 2001 die Rettung. Übernommen wurde sie damals von einer Gruppe von Brinkmann-Führungskräften und dem Unternehmer Alfred Jan Jahnke aus Trittau, Lieferant des Technikkaufhauses und ein entfernter Verwandter der Gründerfamilie Ernst Brinkmanns. Er gab einen Großteil des nötigen Geldes. Seine Tochter Tanja Burmeister, die gestern nicht zu erreichen war, wurde als Geschäftsführerin eingesetzt. Ein Fehler, wie mehrere Angestellte gestern sagten: Burmeister sei zu jung und unerfahren für die Aufgabe gewesen, hieß es. Zudem habe die Geschäftsführung die Mitarbeiter zu wenig in die Sanierung einbezogen.

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