Steve Jobs

Gefeiert, gefeuert, zurückgeholt, verehrt

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Sophie Laufer

Das Technikunternehmen Apple wird über seinen Gründer definiert: Steve Jobs. Die Fangemeinde glorifiziert ihn, Analysten hingegen bezeichnen ihn als "Apples größtes Kapital, aber auch sein größtes Risiko". Porträt eines Mannes und seiner Marke.

Hamburg. Zum ersten Mal seit elf Jahren stand gestern nicht Steve Jobs (53) auf der Bühne in San Francisco und präsentierte im dunklen Rollkragenpullover mit lockeren Sprüchen die Neuheiten seines Unternehmens Apple. Zum ersten Mal war der Firmengründer nicht Mittelpunkt der alljährlich stattfindenden Technikshow "Macworld" in San Francisco. Vizepräsident Phil Schiller vertrat ihn und stellte Apples neue Kreationen wie das 17-Zoll-Modell des Aluminium-MacBooks, die erneuerte Software iLife '09 und das Office-Paket iWork '09 vor. Dass Jobs nicht anwesend war, beunruhigte gestern in San Francisco niemanden mehr.

Bis Montag war dies noch anders gewesen. Immer wieder hatte es Spekulationen um Jobs Gesundheitszustand gegeben. Zeitungen druckten Fotos, die zeigten, dass er in den vergangenen Monaten an Gewicht verloren hatte. Die Sorge, dass der Apple-Chef erneut schwer erkrankt sein könnte, beschäftigte die eigenen Mitarbeiter genauso wie die Branche und Analysten. Nein, er sei nicht wieder am gefürchteten Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt, erklärte Steve Jobs schließlich in einem offenen Brief (Abendblatt berichtete). Er leide an einer Hormonstörung, die ihn abmagern lasse. Die Behandlung sei "relativ einfach", aber langwierig. "Meine Ärzte erwarten, dass es bis zum späten Frühjahr dauern wird, das Gewicht wiederzugewinnen."

Die Börse reagierte euphorisch auf den offenen Brief von Jobs. Das Papier legte am Montag am New Yorker Handelsplatz Nasdaq um über vier Prozent auf 94,60 Dollar zu. Auch gestern stieg der Kurs weiter. Im Internet schrieben Apple-Fans erleichterte Kommentare: "Ich denke, Steve Jobs wird seinen Job nicht so bald aufgeben", heißt es dort etwa von Gennice. "Aber sollte er es tun, so bin ich sicher, wird es ein harter Schlag für das Unternehmen Apple." Der Analyst der Investmentbank RBC Capital Markets, Mike Abramsky, stellte sogar fest: "Steve ist wahrscheinlich Apples größtes Kapital, aber auch sein größtes Risiko."

Allein diese Reaktionen zeigen wieder einmal, dass wohl bei kaum einem Unternehmen aus dem Silicon Valley Kunden wie Aktionäre eine Firma so eindeutig mit dem Chef verbinden wie bei Apple. Was nicht verwundert, wenn man die Geschichte von Apple und seinem Gründer genauer betrachtet.

Der außergewöhnliche Unternehmer, an dessen Gesundheit der Erfolg einer Firma mit heute 32.000 Mitarbeitern zu hängen scheint, wurde 1955 im kalifornischen Mountain View geboren. Doch seine leiblichen Eltern gaben den Säugling weg. So wuchs er bei seinen Adoptiveltern Paul und Clara Jobs auf, die einen Autohandel im Santa Clara County südlich von San Francisco betrieben. Nach dem Besuch der Highschool begann Jobs 1972 am Reed-College in Oregon ein Studium, brach es aber nach nur einem Semester ab. Jobs wird nachgesagt, er habe bereits als Jugendlicher einen ausgeprägten Eigensinn gehabt. So sei er langhaarig und barfuß als Hippie ins College gekommen.

Seine Karriere in der PC-Branche begann Jobs 1972 mit einer Anstellung bei Hewlett-Packard (HP). Zwei Jahre später entwickelte er als Designer bei Atari Videospiele. 1976, mit gerade einmal 21 Jahren, gründete Jobs zusammen mit seinem Freund und Studienkollegen Stephen Wozniak die Firma Apple. Ihre Idee: einen PC für den Privatgebrauch zu entwickeln. Vereinzelt gab es solche Geräte schon damals unter der Marke "Altair" in unpraktikabler und teurer Form als Bausatz. Allerdings waren Rechner zumeist zimmergroße Maschinen für Unternehmen und Behörden, die nur Spezialisten begriffen. Aber warum sollte nicht jeder diese bisher unverständlichen Kästen bedienen können, fragten sich die beiden jungen Gründer.

Nach Wozniaks Entwürfen entwickelten sie einen Computer aus Billigteilen und machten die Garage von Jobs Elternhaus zur Computerschmiede. Seine Halbschwester Patty baute den Prototyp des "Apple I" zusammen, und ein Händler nebenan bestellte die ersten 25 Rechner. Obwohl der "Apple I" noch rudimentär blieb und ein Angebot für Kenner war, sahen sich Jobs und Wozniak ihrem Ziel näherkommen. Der "Apple II" mit seinen Farbgrafiken und der externen Tastatur erreichte dann bereits den Durchbruch des PC zum Massenartikel. Fortan fand Apple für das weitere Wachstum ausreichend Wagniskapitalgeber.

Der tonangebende Techniker des Teams war Wozniak, Mike Markkula der Marketingspezialist. Jobs hingegen war der charismatische Lenker des Unternehmens, der die Apple-Gruppe stimulieren und die Öffentlichkeit begeistern konnte. Das kleine Garagenunternehmen machte ihn bereits nach vier Jahren zum Millionär. Als Apple im Dezember 1980 an die Börse ging, war Jobs innerhalb von Stunden 165 Millionen Dollar schwer. Forbes führte ihn bereits wenig später als bis dahin Jüngsten in seiner Liste der Reichen.

Doch der Firmengründer konnte scheinbar mit dem Erfolg nicht umgehen. Er galt mehr und mehr als selbstherrlich und exzentrisch, der andere ebenso herzlich wie demütigend behandelte. 1981 überwarf er sich sogar mit Wozniak. Zwei Jahre später geriet Apple in die Verlustzone, zumal sich Branchenführer IBM im PC-Markt durchsetzte. Wegen Entwicklungsproblemen beim "Mac" fiel Jobs 1984 intern einer Palastrevolution zum Opfer. Der Vorstandsvorsitzende John Sculley, den Jobs zwei Jahre zuvor eingestellt hatte, drängte ihn erst aus der Produktionsabteilung, und 1985 stieg er dann ganz aus dem Unternehmen aus.

Ein harter Schlag für den ehrgeizigen Unternehmer. Die Firma, die er selbst gegründet hatte, setzte ihn vor die Tür. Mit gerade einmal 30 Jahren und einem Vermögen von rund 150 Millionen Dollar saß Jobs nun zu Hause.

Aber nicht lange. Mit seinem Geld gründete der umtriebige Unternehmer die Firma Next Computer Inc. im kalifornischen Redwood, die er von 1985 bis 1996 als Chairman und CEO leitete und die in Konkurrenz mit Apple treten sollte. Das Unternehmen entwickelte sich allerdings nicht nach Jobs Vorstellungen. Doch der Gründer erkannte wieder einmal einen Trend, das Internet. So nutzte er die Chancen aus dem sich entwickelnden World-Wide-Web und richtete die Next Software darauf aus. Auf diese Weise erreichte Next 1995 erstmals die Gewinnzone.

Auch Apple dümpelte zu dieser Zeit dahin. Sculley war 1993 entlassen worden, nachdem die Verkaufszahlen um 20 Prozent zurückgegangen waren. Der nächste Apple-Vorstandsvorsitzende, Gilbert F. Amelio, kaufte 1996 die Firma Next für 400 Millionen Dollar - und übernahm damit nicht nur die Software des Unternehmens, sondern auch den Gründer. Jobs, mittlerweile verheiratet und dreifacher Vater, kehrte zunächst in beratender Funktion zu Apple zurück. Nach dem Abgang von Amelio stieg er im Juli 1997 zum Chefberater auf und wurde Verwaltungsrat. 2000 trat Jobs schließlich offiziell an die Apple-Spitze. Als Dank schenkte ihm der Verwaltungsrat ein Flugzeug und Optionen auf zehn Millionen Aktien. Bis dahin hatte der Gründer für einen symbolischen Dollar im Jahr gearbeitet.

Mit Steve Jobs kehrte auch der Erfolg zu Apple zurück. Jobs strukturierte das Unternehmen um. Von nun an sorgten Produkte wie der iMac, der iPod, iTunes oder zuletzt das iPhone immer wieder für Aufsehen in der Branche und darüber hinaus. Plötzlich waren die modernen Computer und ihr Zubehör angesagt. Mit der Nachfrage stiegen auch Umsätze und Ergebnis. So konnte Jobs bereits 1998 bei seiner Rede auf der Macworld verkünden: "Wir sind wieder profitabel."

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