Konsumforschung

Trotz Zukunftsangst sind Deutsche in Kauflaune

Die Inflation macht das Einkaufen günstiger - und die Deutschen nutzen das momentan weidlich aus. Trotzdem: Die Angst vor Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise ist immer dabei. Das ist das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK.

Nürnberg. Verantwortlich für den Konsumrausch sind vor allem die in den vergangenen Monaten gesunkenen Preise für Benzin und Heizöl, teilte das Marktforschungsinstitut GfK am Mittwoch in Nürnberg mit. Obwohl sich allmählich Ängste vor Arbeitslosigkeit in die gute Stimmung mischen, sieht der Einzelhandel gute Chancen, dass ein stabiler privater Konsum in diesem Jahr eine tiefere Rezession verhindern kann.

Nach den Erhebungen der Konsumforscher ist die Anschaffungsneigung der Deutschen zum ersten Mal seit August 2007 wieder im positiven Bereich, sie liegt außerdem über dem langjährigen Durchschnittswert.

Der entsprechende Indikator machte gegenüber dem Dezember noch einmal einen kräftigen Sprung um 22 Punkte und liegt nun bei 15,5 Punkten. Der langjährige Durchschnittswert sind null Punkte. Wesentlicher Grund dafür sind laut GfK die durch die abnehmenden Energiepreise gesunkenen Inflationswerte: Sie wirkten wie ein eigenes Konjunkturprogramm.

Insgesamt blieb das Konsumklima mit einer Prognose von 2,2 Punkten für den Februar aber unverändert. Dies liegt daran, dass der steigenden Anschaffungsneigung sinkende Einkommens- und Konjunkturerwartungen gegenüber stehen. Die Einkommenserwartung der Verbraucher sank zum zweiten Mal in Folge, der Indikator verlor gut fünf Punkte auf nun minus 20,5 Punkte.

Angst vor der Arbeitslosigkeit

Dies ist der tiefste Stand seit fast sechs Jahren. Die Konsumenten sehen sich laut GfK zunehmend auch persönlich von den schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft betroffen und zeigen wachsende Angst vor Arbeitslosigkeit.

Bei der Konjunkturerwartung zeigten sich die Befragten noch einmal skeptischer als im Dezember. Mit einem Rückgang um 0,5 Punkte auf nun minus 32,9 Punkte wurde das Rekordtief von Dezember noch einmal unterschritten. Den nur minimalen Rückgang werten die Konsumforscher aber als Hinweis, dass die Verbraucher nun glauben, der Tiefpunkt der Prognosen sei erreicht.

Der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands HDE, Josef Sanktjohanser, ist zuversichtlich, dass die Kauflaune der Verbraucher den Abschwung bremsen kann. "Der private Konsum könnte die Konjunktur vor dem ganz tiefen Tal bewahren", sagte Sanktjohanser dem "Tagesspiegel". So gehe der Einzelhandel davon aus, dass die Verbraucher in diesem Jahr so viel Geld ausgeben wie im vergangenen.

"Wir haben zur Zeit eine Inflationsrate um ein Prozent, was vor allem auf die Entspannung an den Rohstoffmärkten zurückgeht", wird Sanktjohanser weiter zitiert. "Und wir haben einen harten Wettbewerb, von dem die Verbraucher über niedrigere Preise profitieren." Zudem seien die verfügbaren Einkommen gestiegen, und durch die Rückkehr zur alten Pendlerpauschale gebe es weitere Entlastungen.