Schlechte Finanzberatung?

Hamburger klagt Verbraucherzentrale an

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Rolf Zamponi

Im Juli ließ sich Kaufmann Nils Petersen beraten, im Oktober war sein Geld weg - die Verbraucherzentrale Hamburg hatte ihm Anlagen bei der isländischen Pleitebank Kaupthing empfohlen. Die Berater weisen den Vorwurf der Falschberatung zurück.

Hamburg. Eine unabhängige Beratung und eine gute Rendite für sein Erspartes: Das sucht der Hamburger Kaufmann Nils Petersen (55) als er sich im Juli an die Verbraucherzentrale Hamburg wandte. Er hatte Vertrauen in die Verbraucherschützer. Schließlich achteten sie immer darauf, dass Bürger nicht über den Tisch gezogen werden, gingen etwa gegen den Gasversorger E.on Hanse wegen der Höhe seiner Gaspreise vor oder gegen die Haspa und andere Banken, die ahnungslosen Kunden Lehmann-Zertifikate verkauften, die mit der Pleite der US-Investmentbank wertlos wurden.

Petersen setzte auf den guten Rat der Hamburger Experten, aber jetzt ist der Kaufmann, der mit seiner Ein-Mann-Firma Geschenkartikel aus Südostasien für den Großhandel importiert, ziemlich sauer auf die Berater aus der Kirchenallee. "Mir wurde eine Anlage bei der isländischen Kaupthing-Bank bis zur Einlagengrenze von 20 887 Euro empfohlen, von der dann kurz darauf nach dem Ausbruch der Krise wieder abgeraten wurde", sagte er dem Abendblatt.

Offensichtlich sei es mit dem Expertenwissen also nicht weit her. "Ein Skandal", meint Petersen, der immerhin 120 Euro für das Beratungsgespräch zur Geldanlage auf den Tisch geblättert hat. Zur Erinnerung: Kaupthing geriet im Zuge der Finanzmarktkrise in Schwierigkeiten und wurde vom isländischen Staat übernommen. Die Einlagen der Kunden - auch in Deutschland - wurden eingefroren.

"Ja, wir haben die Bank Anlegern empfohlen", sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg dem Abendblatt. "Wir sehen darin auch keinen Beratungsfehler." Denn auch die Verbraucherschützer hätten ja zu dem Zeitpunkt nicht wissen können, dass alle drei Banken der kleinen Inselrepublik zusammenbrechen würden. Wichtige Kriterien für die Organisation seien die Sicherheit, Flexibilität und eine gute Rendite. Die Zinsen lagen damals, wie sich Petersen erinnert, bei 5,69 Prozent für Tagesgeld.

Die Verbraucherschützer hätten die Anlage stets nur bis zur Einlagensicherungsgrenze als günstig empfohlen, so Castelló. "Damit war nach unserer Auffassung das Geld sicher." Castelló betont, dass es sich in Petersens Fall nicht um eine Falschberatung gehandelt habe. Auch sei ihr kein Fall von Falschberatung in ihrem Haus bekannt.

Aus damaliger Sicht war die Anlage bei Kaupthing lukrativ. Doch heute warten die 30.000 deutschen Kunden immer noch auf eine Rückzahlung ihres Geldes. Die Bundesrepublik hat sich zwar mit Island darauf geeinigt, einen Kredit von 308 Millionen Euro bereitzustellen, damit alle ihre Einlagen zurückbekommen und zwar auch über die 20.887 Euro hinaus. Allerdings haben die Isländer den Kredit noch nicht in Anspruch genommen. "Es ist aber eindeutig, dass es eine Entschädigung geben wird. Offen ist nur, wann und wie sie aussieht", sagt Marco Cabras, der Sprecher der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Für Nils Petersen spielt das jedoch keine Rolle mehr. Er war schon nach der Beratung skeptisch geworden und hatte zunächst gezögert. Als er dann noch davon hörte, dass es in Island nur drei Banken gebe und der Staat kaum in der Lage wäre, etwa Umweltschäden durch die Fischerei abzudecken, verzichtete er auf seine Anlage bei der Kaupthing-Bank. Sein Geld legte er in Frankfurt bei einer Direktbank an. "Ganz deutsch und ganz sicher."


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