Luft- und Raumfahrtkonzern

Thomas Enders rückt an die EADS-Spitze

Thomas Enders will den Einfluss der Politik auf den EADS-Konzern zurückdrängen. An die Airbus-Spitze wechselt wiederum ein Franzose.

Toulouse/München. Erstmals in der Geschichte des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS wird heute ein Deutscher die alleinige Führung übernehmen. Der 53-jährige Thomas Enders löst nach der Hauptversammlung in Amsterdam den 68-jährigen Franzosen Louis Gallois ab. Im Januar hatte der EADS-Verwaltungsrat den Wechsel an der Konzernspitze beschlossen, nachdem sich zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy darauf geeinigt hatten.

+++Nationengerangel auf allen Ebenen+++

+++Das Profil der neuen und alten Führung+++

Enders' Nachfolge als Airbus-Chef übernimmt im Gegenzug ein Franzose: der 50-jährige Fabrice Brégier. Er ist bisher im Airbus-Vorstand für das operative Geschäft (COO) zuständig. Beide Mandate sind auf fünf Jahre angelegt. Noch unklar ist, ob der Wechsel an der Spitze von Airbus auch eine Veränderung auf der Position des Deutschland-Chefs mit sich bringen wird. Bisher hat dieses Amt Günter Butschek inne, der vom Produktionsvorstand zum COO und damit auch zum stellvertretenden Airbus-Chef aufrückt.

Mit dem Abschied vom diplomatisch-freundlichen Franzosen Gallois, der EADS seit 2007 geführt hat, steht im Konzern auch ein Stilwechsel bevor: Enders steht für deutliche Worte - und er sorgte bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt für Unruhe in der Politik. Denn während die EADS-Zentrale bisher auf Ottobrunn bei München und Paris verteilt ist, will Enders, dessen Dienstrang als Fallschirmjägeroffizier der Reserve ihm den Spitznamen "Major Tom" einbrachte, mehr Führungsfunktionen am Hauptsitz der wichtigsten Tochter Airbus in Toulouse zusammenführen. Er verwies darauf, dass die Vorstände zu viel Zeit im Flugzeug verbringen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kritisierte Enders daraufhin scharf und verlangte, dass die Zentrale auch in Oberbayern bleibe. Enders wiederum versprach, verstärkt in Bayern zu investieren. Der Freistaat liege ihm am Herzen, sagte der künftige EADS-Chef, der mit seiner Frau und seinen vier Söhnen am Tegernsee lebt.

Ohnehin will Enders jedoch auch den Einfluss der Politik auf das Unternehmen zurückfahren. Er fordert, dass sich der französische und der deutsche Staat aus dem Konzern zurückziehen. Der französisch-deutschen Machtbalance folgt auch die Neubesetzung des Verwaltungsratschefpostens.

Dies ist eine Personalie, die schon im Vorfeld Diskussionen hervorrief: Arnaud Lagardère, einer der größten EADS-Aktionäre, soll den Posten vom Deutschen Bodo Uebber übernehmen. Obwohl sich der sportliche Lebemann Lagardère in der Vergangenheit kaum bei den EADS-Gremiensitzungen blicken gelassen haben soll, kam der Konzern an dem Großaktionär nicht vorbei: Der Medienunternehmer hält zusammen mit der französischen Staatsholding gut ein Fünftel der EADS-Anteile.

Die ersten Jahre nach der Gründung von EADS im Jahr 2000 hatte der Konzern immer eine Doppelspitze aus einem Franzosen und einem Deutschen. Dies endete 2007. Die beiden letzten gemeinsamen Vorstandschefs waren Enders und Gallois.