Hamburger MPC-Schiffsfonds brauchen Kapital

21 Containerfrachter sind insolvenzgefährdet. 9000 Anleger sollen Geld zuschießen

Hamburg. Bei insgesamt 21 Schiffen aus zwei Dachfonds des Hamburger Emissionshauses MPC Capital sollen die Anleger zusätzliches Geld aufbringen, um die Containerfrachter vor der Insolvenz zu bewahren. Die Reederei Claus-Peter Offen hat die rund 9000 Anleger der Santa-R- und der Santa-B-Schiffe in entsprechenden Schreiben darauf vorbereitet. Das bestätigte MPC-Sprecher Michael Benninghoff.

"Es geht darum, Liquiditätsengpässe zu überbrücken", sagt Benninghoff. Bei den sieben Santa-R-Schiffen, die über eine Kapazität von je 4112 Standardcontainern (TEU) verfügen, kommt noch eine kostenintensive, turnusmäßige Wartung hinzu.

Der gesamte Markt für Schiffsbeteiligungen ist in schwere Turbulenzen geraten. Die Charterraten, die Mietpreise für die Schiffe, haben ein so niedriges Niveau erreicht, dass die Schiffe zum großen Teil Verluste einfahren. Der Branchendienst "Fondstelegramm" rechnet mit 550 Schiffsinsolvenzen innerhalb von drei Jahren.

Die Santa-R-Schiffe sind zwar alle unter Beschäftigung, aber neu abgeschlossene Charterverträge bringen nur 9000 bis 10 000 Dollar pro Tag. Das ist weniger als halb so viel, wie die bisherigen Verträge noch einbrachten. Von der neuen Forderung werden die Anleger der Santa-R-Schiffe wenig begeistert sein. Denn bereits 2011 wurden sie zusätzlich zur Kasse gebeten und unterstützten ihren Dachfonds mit zusätzlichen 16 Millionen Euro. "Wie viel Kapital jetzt notwendig ist, wird noch verhandelt", sagt Bennninghoff. Fest stehe, dass sich die Reederei Claus-Peter Offen daran beteiligen werde. Das zusätzliche Geld wird zur Deckung der Wartungskosten und des Kapitaldienstes benötigt.

Die 14 kleineren Santa-B-Schiffe erzielen nur noch zwischen 6500 und 7700 Dollar pro Tag. Damit können zwar die Betriebskosten, nicht aber die Zinsen und Tilgungen für die Schiffshypothekendarlehen gedeckt werden. Spätestens bis zum Jahr 2013 laufen alle alten Charterverträge aus. Ursprünglich waren Anschlussraten von bis zu 22 000 Dollar pro Tag kalkuliert worden. Wegen der geringen Einnahmen werden für dieses und nächstes Jahr Betriebsverluste bei diesen Schiffen erwartet.

Die Hamburger Kanzlei Hahn Rechtsanwälte vertritt geschädigte Anleger der beiden Dachfonds. "Wir konnten bereits Vergleiche mit den Banken erzielen, die die Fonds verkauft haben", sagt Hahn. Jetzt wird die Zeit allerdings knapp. "Zehn Jahre nach Erwerb können keine Ansprüche mehr geltend gemacht werden." Die Santa-R-Schiffe kamen bereits 2001 auf den Markt, der andere Dachfonds 2006.

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