Allianz-Aktionäre kritisieren "unseriösen" Bankverkauf

München. Lange sah es gut aus für Michael Diekmann. Die ersten Aktionäre, die bei der Hauptversammlung ans Mikrofon traten, beglückwünschten den Vorstandschef der Allianz sogar. "Kaum konzentrieren Sie sich auf das Kerngeschäft, können Sie zeigen, was in Ihnen steckt", hieß es da etwa. Gott sei Dank sei diese Konzentration endlich möglich, nachdem die Allianz die Dresdner Bank nach Milliardenverlusten Anfang 2009 an die Commerzbank verkauft hatte. Die unglückselige Tochter schien endlich Geschichte zu sein.

Doch gar so schnell wurde die Allianz-Führung die Geister der Vergangenheit nicht los. Nach ein paar Stunden ging es doch wieder nur um eines - die Dresdner Bank. Für die Allianz sei der Verkauf vielleicht ein gutes Geschäft gewesen, sagte ein Redner. Über den Tisch gezogen fühlten sich jedoch die Aktionäre der Commerzbank, da ihre Anteile durch den Staatseinstieg nach der Dresdner-Übernahme stark verwässert worden seien. "Dieser unseriöse Verkauf ist ein Anschlag auf die Reputation der Allianz", polterte der Aktionär. "Ein DAX-Unternehmen bescheißt das andere", keifte ein anderer. Es folgten ganze Fragenkataloge zum Dresdner-Verkauf und allerhand Provokationen und Beleidigungen - Diekmann wurde als "Flasche" und "Lusche" beschimpft, die Commerzbank-Vorstände als "grüne Bubis".

Die Konzernführung bemühte sich um Contenance. Mit stoischer Ruhe spulte Finanzvorstand Paul Achleitner seine Antworten ab - wobei die häufigste lautete: "Da müssen Sie die Commerzbank fragen." Nur Aufsichtsratschef Henning Schulte-Noelle konnte sich eine zerknirschte Bemerkung zu den vermuteten Absichten der entfesselten Fragesteller nicht verkneifen: "Dies ist nicht der Platz, um rechtliche Auseinandersetzungen mit der Commerzbank vorzubereiten."

Vorstandschef Diekmann wiederum war die Erleichterung anzumerken, wenn zwischendurch doch noch Fragen zum Geschäft der Allianz kamen. Das kann sich durchaus sehen lassen: Im ersten Quartal steigerte der Versicherer trotz Naturkatastrophen - die Allianz musste mit Lasten von mehr als 500 Millionen Euro laut Diekmann doppelt so viel wie in einem gewöhnlichen Quartal zahlen - das operative Ergebnis um gut 20 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro. Man sei auf gutem Wege, das angestrebte Ziel eines operativen Gewinns von ungefähr 7,2 Milliarden Euro zu erreichen, sagte Diekmann. Die Allianz-Aktie schloss bei 84,31 Euro mit 0,2 Prozent im Minus.

Trotz der jüngsten Turbulenzen rund um den drohenden Kollaps Griechenlands seien Ausfälle von Staatsanleihen "so schnell nicht zu erwarten", sagte Finanzvorstand Achleitner. Angesichts der Panik an den Anleihemärkten forderte er jedoch eine Regulierung von Wetten auf sinkende Kurse. Achleitner sagte, die Regulierung sogenannter Leerverkäufe sei die eigentliche Herausforderung der Politik.