Gedichte aus Blankenese

„Andre knabbern Sellerie, ich geb der Schokolust mich hin“

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Amelie Fechner, die Alltagsdichterin aus Blankenese, legt einen neuen Lyrikband vor.

Amelie Fechner, die Alltagsdichterin aus Blankenese, legt einen neuen Lyrikband vor.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Seelenfutter für trübe Tage: Blankeneserin Amelie Fechner veröffentlicht neue Gedichte. Hermann Schmidt legt seinen Leseverführer vor.

Hamburg. Amelie Fechner ist die findige Textarbeiterin, die ihre federleichten Poeme auf Postkarten drucken lässt und mit dieser Vorgehensweise bundesweit Abnehmer findet. Also längst nicht nur in Blankenese, wo die Ex-Juristin lebt und arbeitet. Mit Blick auf den Fluss. Der begünstigt allem Anschein nach die Produktion von Gedichten, die bei Fechner nicht nur auf Postkarten, sondern dann auch in Büchern landen.

Die du bist. Alltagsgedichte“ (Ellert & Richter, 12,95 Euro) versammelt empfindsame Texte, in denen ein lyrisches, weibliches Ich durch Höhen und Tiefen des Lebens steuert. In jedem Vers verständlich, nachvollziehbar, in unserer direkten menschlichen Nachbarschaft. Wie sollte man Gedichte wie „wetterfühlig“ anders als identifizierend lesen: „Den Februar, den mag ich nicht/zu lang schon gab’s zu wenig Licht/bin müde nun und wintersatt“.

Bitter nur, dass man dieses Frühjahrsempfinden auch jetzt auch schon im Dezember haben kann, wo einem dieser ganze Dunkelmist doch noch fast vollumfänglich bevorsteht. Die Lösung ist „Schokoladenliebe“: „Bei Schokolade werd ich weich/da gibt es kein Pardon/sie macht mich glücklich/und zwar gleich/so war es immer schon/andre knabbern Sellerie/ich geb der Schokolust mich hin“. Das Ich und die Welt, das Innere und das Äußere, und immer helfen die Worte und wie man sie miteinander verbindet. Amelie Fechner tut dies sinnlich, frei und mit Luft in den Versen: „Wie schön es wäre/würde es gelingen/sich selbst an manchen Tagen/einfach auszuwringen“.

Kafka ist der Größte, aber Meyerhoff auch nicht schlecht

Barrierefrei, ohne akademische Last und Spezialistenüberhöhung kommt auch Hermann Schmidts „Literatour. Eine Reise durch die wunderbare Welt der Bücher“ (Hoffmann und Campe, 22 Euro) daher. Der Autor Schmidt lebt im Kreis Segeberg und ist bisher mit Biographien und Fußballbüchern („Männer trinken keine Fanta: Eisenfüße, Laufwunder und andere Originale der Fußball-Bundesliga“) in Erscheinung getreten. „Literatour“ nun ist das Buch seines Lese-Lebens: In ihm widmet sich der leidenschaftliche Literaturmensch all seinen Lieblingsautoren. Erklärtes Ziel ist es, Leserinnen und Leser Lust zu machen, dieselben Autorinnen und Autoren zu lesen. Und sie genauso so toll zu finden wie er.

Schmidt hat gelesen, und er ist gereist, zum Beispiel nach Kalifornien, wo John Steinbeck lebte. Eine Auswahl seiner Literaturheroen: Kafka („Der Größte“), Joachim Meyerhoff, Uwe Timm, Rainer Maria Rilke, Jerome D. Salinger, Herta Müller, Mascha Kaleko, Heinrich Heine und Joseph Roth. 55 Autoren insgesamt, von denen im übrigen nur acht Frauen sind. Es ist eben eine sehr persönliche Auswahl. Schmidts kurzen biografischen Abrissen und kenntnisreichen Einblicken ins Werk, die in einfachen Worten große Zuneigung ausdrücken, folgen sachdienliche Lesehinweise. Auf dass man die Literatour noch erweitere.