Britisches Königshaus

Herzogin Kate bringt eine Tochter zur Welt

Ein zeremonieller Stadtschreier kündigt die Geburt des royalen Babys vor dem St. Mary's Hospital in London an

Ein zeremonieller Stadtschreier kündigt die Geburt des royalen Babys vor dem St. Mary's Hospital in London an

Foto: Cathal McNaughton / REUTERS

Es ist eine Prinzessin! Kate hat am Sonnabend in London das zweite Kind zur Welt gebracht. Die Herzogin und ihre Tochter sind wohlauf.

London. Großbritannien feiert: Der britische Prinz William und seine Frau Kate sind Eltern einer Tochter geworden. Kate brachte das zweite gemeinsame Kind des Paares am Sonnabend um 08.34 Uhr Ortszeit in London zur Welt, wie der Kensington-Palast mitteilte. Das Töchterchen wog bei der Entbindung 3714 Gramm. Mutter und Kind sind wohlauf. Prinz William sei bei der Geburt an der Seite seiner Frau gewesen. Die 33-Jährige war am frühen Morgen mit Wehen in das Krankenhaus St. Mary's in London gekommen. Dort harren Royalisten und Schaulustige seit Tagen in Erwartung der Geburt aus.

William hatte Kate auf der Autofahrt vom Palast zum St. Mary’s Hospital im Londoner Stadtteil Paddington begleitet. „Ihre Königliche Hoheit, die Herzogin von Cambridge, wurde um 6.00 Uhr (Ortszeit) ins Krankenhaus gebracht“, hieß es am Morgen in einer Mitteilung des Kensington-Palastes. In dem privaten Lindo-Flügel des Krankenhauses war im Juli 2013 auch schon Prinz George (1), der erste Sohn der beiden, zur Welt gekommen. Im Sommer vor zwei Jahren hatte es von der ersten Mitteilung des Palastes bis zur Bekanntgabe der Geburt rund 13 Stunden gedauert.

Die Briten setzten in den vergangenen Wochen in den Wettbüros aber eher auf ein Mädchen. Auch Großvater und Thronfolger Prinz Charles (66) hatte gesagt, er wünsche sich eine Prinzessin. Bis der Name der Neugeborenen bekanntgegeben wird, dauert es voraussichtlich noch mehrere Tage.

Einen berechneten Geburtstermin hatte der Palast nicht bekanntgegeben, Kate selbst hatte aber von Mitte bis Ende April gesprochen. Britische Zeitungen spekulierten zuletzt, die Geburt sei eine Woche überfällig. Mit Beginn der Geburt durften sich auch Journalisten vor der Klinik in vorgesehenen Presseboxen aufstellen. Die Absperrgitter hatten schon bereitgestanden. Vor Georges Geburt 2013 hatten Medien das Krankenhaus wochenlang geradezu belagert, das wollten Palast und Klinik diesmal vermeiden.

"Ersatz-Thronerbe zu sein ist nicht leicht"

Das Kind wird voraussichtlich nie Königin werden. Es wird hinter seinem Bruder George auf Platz vier der Thronfolge stehen, Onkel Prinz Harry rückt nach hinten auf Platz fünf. Das Kind hat daher keine von Geburt an festgelegte Rolle. Das bedeutet Freiheit, macht aber die Suche nach einer Aufgabe notwendig. „Ersatz-Thronerbe zu sein ist nicht leicht“, sagt die Historikerin Kate Williams. Es fehle die Privatsphäre, jeder Schritt werde beobachtet, die Möglichkeiten seien beschränkt - und das alles ohne echte Aussicht auf den Thron.

Ein Blick auf die Familie zeigt, wie die Vorgänger des jüngsten Kindes in der Familie von Quuen Elisabeth II. das gehandhabt haben - Skandale und Skandälchen inbegriffen.

George VI.: Der Vater der Queen (1895-1952) ist ein Beispiel dafür, dass ein Zweitgeborener ganz plötzlich in die Pole Position vorrücken kann. Als Edward VIII. im Jahr 1936 abdankte, um eine geschiedene Amerikanerin zu heiraten, trat sein Bruder mit dem Stotter-Problem widerstrebend in seine Fußstapfen. Sein weitgehend normales Familienleben mit ausreichend Privatsphäre hatte George bis dahin durchaus genossen. Sein Schicksal hat der Kino-Erfolg „The King's Speech“ eindrücklich dargestellt.

Prinzessin Margaret: Als die Schwester von Queen Elizabeth II. in den 50ern einen geschiedenen Mann liebte, beugte sie sich noch den Konventionen: Im Bewusstsein ihrer „Verpflichtung dem Commonwealth gegenüber“ trennte Margaret sich von Peter Townsend. 1960 heiratete sie aber einen Fotografen und ließ sich 1978 wieder scheiden - ein Skandal. In der Presse hatte Margaret das Image eines spaßsüchtigen Partygirls mit vielen Affären (auch mit einem 17 Jahre jüngeren Mann). Freunde beschrieben ihr Leben später als unglücklich, weshalb sie sich dem Alkohol hingegeben habe. Sie engagierte sich für gute Zwecke, einer der Hauptaufgaben für nicht-regierende Royals.

Prinzessin Anne: Anders als ihre Tante Margaret suchte Prinzessin Anne (64), Schwester von Prinz Charles (66), sich eine Karriere: Als Vielseitigkeitsreiterin nahm sie 1976 sogar an den Olympischen Spielen teil. Dass sie sich scheiden ließ und erneut heiratete, war ein weiterer Skandal für den Königshaus, zu dem Anne stets eine gewisse Distanz pflegte. Ihr erster Mann Mark Phillips lehnte sogar den ihm angebotenen Adelstitel ab, so dass die gemeinsamen Kinder Peter und Zara ebenfalls titellos sind.

Prinz Andrew: Er gilt als Lieblingskind der Queen und Bad Boy unter den vier Geschwistern. Die Trennung von Sarah „Fergie“ Ferguson (55) machte Schlagzeilen, Reisen auf Kosten des Steuerzahlers brachten ihm den Namen „Air Miles Andy“ ein, als (inzwischen geschasster) Handelsbotschafter der Regierung traf er zwielichtige Milliardäre und Diktatoren. Dazu kommt ein Faible für schöne Frauen, das den auch „Randy Andy“ (spitzer Andy) genannten Prinzen (55) zuletzt in die Nähe eines Skandals um Sex mit Minderjährigen rückte. Andrew engagiert sich in Unternehmerkreisen und ist regelmäßig beim Weltwirtschaftsforum in Davos anzutreffen.

Prinz Harry: Der Prinz mit dem Ruf eines Herzensbrechers (30) rutscht mit der Geburt der neuen Prinzessin auf Platz fünf der Thronfolge. Anders als sein Bruder William (32) hat er schon den ein oder anderen Skandal auf dem jungen Buckel, etwa Nacktfotos vom Strip-Billard in Las Vegas, einen geschlagenen Fotografen oder einen Auftritt in SS-Uniform. Zehn Jahre lang fühlte Harry sich in der britischen Armee zu Hause, die er im Sommer verlässt - damit geht für den Zweitgeborenen die Suche nach einer Berufung wieder los. Zum Steckenpferd hat er sich den Einsatz für Kriegsveteranen gemacht. (afp/ap/dpa)