Greenpeace-Umfrage

Deutsche tragen viele Kleidungsstücke nur zwei Mal

Kleidung wird zum Wegwerf-Artikel

Kleidung wird zum Wegwerf-Artikel

Greenpeace zur Wegwerf-Mode: Von den 5,2 Milliarden Kleidungsstücken der Deutschen werden 40 Prozent sehr selten oder nie getragen.

Deutsche sortieren laut Greenpeace-Umfrage Kleidung und Schuhe schnell wieder aus. 18 Prozent der Kleidungsstücke werden nur zweimal überhaupt, 20 Prozent seltener als einmal im Vierteljahr getragen, wie Greenpeace am Montag in Hamburg mitteilte. Jeder Achte trägt seine Schuhe weniger als ein Jahr. Repariert wird Kleidung nur noch sehr selten. Knapp zwei Drittel sortieren Kleidung aus, wenn sie nicht mehr gefällt, ein Drittel will einfach Platz schaffen im Schrank.

„Mode ist zum Wegwerfartikel verkommen“, sagte Textil-Expertin Kirsten Brodde. Kleidung sei mittlerweile genauso kurzlebig wie Plastiktüten oder Einweg-Geschirr. „Das geht zulasten der Umwelt und Gesundheit, denn die Kleidung wird mit Hunderten giftiger Chemikalien produziert.“

Frauen besitzen durchschnittlich 118 Stücke

Die Deutschen haben 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in ihren Schränken. Frauen besitzen mit durchschnittlich 118 Kleidungsstücken deutlich mehr als Männer mit 73 Teilen - Strümpfe und Unterwäsche nicht mitgerechnet. Im Durchschnitt besitzen die Deutschen 95 Kleidungsstücke, im Osten sind es nur 83. Rund ein Drittel hat mehr als 200 Kleidungsstücke. Vom Alter ist der Kleidungsbestand relativ unabhängig. Etwa die Hälfte der Deutschen hat noch nie Kleidung zum Schneider gebracht. Über die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen war noch nie beim Schuster. Die meiste Kleidung landet im Müll oder in der Kleidersammelbox.

Ein Drittel hat noch nie Kleidung verliehen

Alternativen wie tauschen, leihen oder verkaufen sind die Ausnahme: 83 Prozent der Deutschen haben noch nie Kleidung getauscht, zwei Drittel noch nie welche verliehen, über die Hälfte noch nie weiter verkauft. Am ehesten geben die Deutschen Kleidung im Bekanntenkreis weiter. Einfache Alternativen wie Tauschen und Teilen müssten zur täglichen Routine werden „wie Zähneputzen“, forderte Brodde. Angebote dafür gebe es bei Tauschbörsen im Internet, auf Flohmärkten oder auf Kleidertauschpartys. Das Institut Nuggets hatte im Auftrag von Greenpeace im September 1.011 repräsentativ ausgesuchte Personen zwischen 18 und 69 Jahren befragt.

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