Glosse

Weise Weihnachten

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Vanessa Seifert

Im Adventsstress wünschen sich viele nur noch weg – aber schöne Bescherungen gibt es überall

Alle Jahre wieder träumen wir von weißen Weihnachten. Wobei sich dabei mehr als jeder dritte Deutsche wünscht, dass bitte nur der Sand schneeweiß sein möge. Denn je näher der Heilige Abend mit der Verwandtschaft rückt, desto weiter weg wollen viele. 35 Prozent, so das Ergebnis einer repräsentativen Lastminute.de-Umfrage, sehnen sich nach einer Oase des Friedens, in der einen niemand auf die durchaus vorhandene Palme bringt. Das droht schließlich zu Hause unter der Nordmanntanne, wo sich angeblich zwischen manchen Paaren Dramen abspielen wie sonst nur zwischen Boris Becker und seiner Lilly auf dem roten Teppich.

Immerhin drei Prozent der Befragten schwärmen – vielleicht in saisonal bedingter Anlehnung an die Heiligen Drei Könige – für das Morgenland und würden sich selbst gern über die Feiertage in die Wüste schicken. Die anderen 97 Prozent haben dieses Fernziel wahrscheinlich für die Schwiegereltern vorgesehen. Fest steht: Auf „Driving Home For Christmas“, wie Chris Rea uns jedes Jahr im Radio die Staus auf den Autobahnen schönsingt, fliegen die meisten gar nicht mehr. Lieber nix wie weg. Und zwar auf die Kanaren, an die türkische Riviera, nach Ägypten – oder zumindest in das nächstgelegene Luxushotel. 16Prozent würden sich dort gern im Spa-Bereich marinieren lassen, statt das am heimischen Herd mit dem Braten zu veranstalten, der am Ende doch nicht gegessen wird, weil alle wieder heimlich auf Würstchen mit Kartoffelsalat spekuliert hatten.

Mit einer Reise in die Berge macht man offenbar niemandem mehr ein Geschenk – eisig ist die Stimmung bei vielen sowieso schon. „Die Deutschen fühlen sich im Advent gestresst, dazu kommen noch die kurzen Tage – da zieht es die meisten in die Wärme“, fasst Jörg Burtscheid vom Buchungsportal Lastminute.de die Umfrage zusammen.

Doch was sagen wir, wenn es auf Fuerteventura zum Fest der Liebe regnet? Schöne Bescherung. Was bleibt, ist die Hoffnung aufs nächste Jahr: weiße Weihnachten am Karibikstrand. Oder vielleicht doch weise zu Hause bleiben?

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