Jugendwörter des Jahres

Hartzen ist bam

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Anna Priebe

Auch die Jury des Wettbewerbs "Jugendwort des Jahres" musste sich die Vorschläge erst mal auf der Zunge zergehen lassen.

Was bei der Bundestagswahl irgendwie nicht klappt, ist jetzt geglückt: Die Jugend hat gewählt. Und zwar ihr Wort des Jahres 2009. Wo im letzten Jahr noch die "Gammelfleischparty" das semantische Krönchen verpasst bekam, ist es dieses Mal "hartzen". Keine Beschreibung der SPD-Wählerbindungsstrategie, sondern ein (anscheinend) verbreiteter Ausdruck für "abhängen". Irgendwann muss für diese Tätigkeit auch mal das Wort "rumgammeln" aktuell gewesen sein, aber wer das noch benutzt, der ist echt ein "Honk" und nicht im Geringsten "obama".

Auch die Jury des Wettbewerbs "Jugendwort des Jahres", der passenderweise vom Langenscheidt-Verlag organisiert wird, musste sich die Vorschläge erst mal auf der Zunge zergehen lassen wie ein Stück Harzer Käse. Über 45 000 Jugendliche hatten sich im World Wide Web in verbaler Inkontinenz geübt und dabei Worte zutage gefördert, die für die Experten auf eine überschaubare Menge von 15 reduziert werden mussten. Da präsentierten sich dann so "koralle" (coole) Begriffe wie "Bankster" und "Rudelgucken". Wobei es diese Bezeichnungen für einen schlecht wirtschaftenden Banker und das allseits beliebte Public Viewing nur auf Platz drei und vier schafften. Vizemeister wurde "bam", nicht der Erstgeborene von Barney Geröllheimer, sondern noch ein Synonym für cool.

Dass sich die Jugendlichen heute nicht mehr bei Goethe, sondern bei Spongebob Schwammkopf bedienen, ist zumindest bedenklich. Denn der kleine nervige Comic-Schwamm lebt im Meer - und wenn er seine Umwelt "korall" findet, dann ist das irgendwie nachvollziehbar. Aber bei Jugendlichen, die oft noch nicht einmal das Seepferdchen haben? Doch wo auch immer der Ursprung liegt, die Jury begründete ihre Wahl von "hartzen" damit, dass das Wort besonders gut zeige, wie "innovativ und sprachgewandt" die Jugend mit aktuellen gesellschaftlichen Themen umgehe.

Und tatsächlich: Gibt man das neue Trendwort, nach dessen Kür in Zukunft bestimmt nur noch Einladungen zum gemeinsamen "Abhartzen" verschickt werden, in die Suchmaschine ein, offenbart sich dem Betrachter die ganze Bedeutungstiefe des Wortes "hartzen". Denn da präsentiert sich gleich zu Beginn ein Video, das Jay und die Kifferbande beim "Hartzen am Abgrund" begleitet. Wie wichtig dabei ein Buchstabe sein kann, zeigt sich einige Google-Einträge später: "Hilfe, die Bäume des Nachbarn hartzen auf mein Auto."

Ob der Verfasser wusste, was er da sagt?

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