"Hier wird die Not an den Wurzeln gepackt"

Der Hamburger Freundeskreis besteht aus 16 Unternehmern und Prominenten der Hansestadt, die seit 2005 das Welthungerhilfe-Millenniumsdorf Sodo in Äthiopien mit Spendenaktionen unterstützen. Zwei Mitglieder dieser Gruppe wollten sich von den Fortschritten des Entwicklungshilfeprojektes persönlich überzeugen. So waren Professor Bernhard Servatius (zudem Vorsitzender des Deutschen Welthungerhilfe-Kuratoriums) und Gabriele Wöhlke aus der Budnikowsky-Geschäftsführung vergangene Woche in Sodo und haben dort das von Budnikowsky finanzierte Gemeindehaus eingeweiht.


Journal:

Warum fiel die Entscheidung des Hamburger Freundeskreises auf das Dorf Sodo?

Bernhard Servatius:

Für mich hatte Sodo sowohl humanitäre als auch politische Gründe. Afrika ist derzeit unser Problemkontinent. Für Afrika in Afrika etwas zu tun, heißt auch, etwas für Europa zu tun. Deswegen haben wir schnell für dieses Millenniums-Dorf, das ja Vorbildcharakter hat, eine Mehrheit in der Gruppe gefunden.



Budnikowsky hat 45 000 Euro an Spenden eingesammelt. Haben Sie die Projekte, die Sie in Äthiopien unterstützen, selber ausgewählt?

Gabriele Wöhlke:

Die Welthungerhilfe hat verschiedene Vorschläge gemacht, und wir haben uns zum einen für den Ausbau der Infrastruktur, also eine gute Straße und eine Brücke und die Errichtung eines Gemeindehauses in Sodo entschieden. Denn das waren die wichtigsten Wünsche der Dorfbewohner.



Welche Erwartungen hatten Sie an diese Reise, und wie wurden diese erfüllt?

Wöhlke:

Wenn ich Geld für ein Projekt gebe, möchte ich immer gerne wissen, was damit passiert. Wir tragen schließlich die Verantwortung für die Spenden. Deswegen wollte ich mir das Projekt vor Ort anschauen. Und ich wollte natürlich die Menschen und ihre Kultur kennenlernen.



Servatius:

Meine Erwartungen haben sich insofern voll erfüllt, als das Gesetz der Welthungerhilfe, nämlich Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, voll angenommen wurde. Die Dorfbewohner haben nicht einfach Geschenke angenommen, sondern Initiativen weitergeführt, es wurden Brunnen gebaut, Farmen angelegt, mit dem Ziel, mit neuem Saatgut und Pflanzen den Hunger zu stoppen. Sie übernehmen Verantwortung. Wir waren Zeugen einer Dorfversammlung, auf der die Dorfältesten ebenso wie junge Frauen ihre Ideen zur Weiterentwicklung des Dorfes selbstbewusst vertreten haben.



Wurde das Spendengeld also gut angelegt und die Ausgaben transparent dargestellt?

Servatius:

Auf alle Fälle. Wir haben auch in anderen Projekten in der Region gesehen, dass durch die hervorragende Arbeit der Welthungerhilfe und der lokalen Partnerorganisationen die Spenden bei den Menschen ankommen. Hier wird nicht an Symptomen kuriert, sondern die Not an den Wurzeln gepackt und strukturelle Arbeit geleistet.



Welchen Eindruck hatten Sie von den Menschen?

Wöhlke:

Ich fand sie fröhlich, trotz ihrer schwierigen Lebenssituation. Sie haben gezeigt, wie wichtig ihnen unser Kommen war. Ich fand es zudem außergewöhnlich, wie nett die Kinder miteinander umgehen, da gab es kein Schubsen.



Gab es Erlebnisse im Dorf, die Sie besonders beeindruckt haben?

Wöhlke:

Die Menschen haben mich mit ihrem überschwänglichen Empfang so überwältigt, dass mir die Tränen in den Augen standen.



Servatius:

Ich fand besonders schön die tanzenden und singenden Kinder.