Berlin. Wann wurde der Mensch zum Seefahrer? Vielleicht früher als gedacht: schon in der Jungsteinzeit. Darauf deutet ein Fund in Italien hin.

Die Weiße Grotte ist nur eine von vielen Höhlen auf der Insel Capri, die direkt vor der Küste von Neapel in Italien liegen. Sie ist nicht so berühmt, nicht so beliebt, nicht so überfüllt wie die malerische Blaue Grotte. Aber dafür birgt sie noch Geheimnisse.

Polizeitaucher machten unter Wasser – in einer Tiefe von 30 bis über 40 Metern – in der Nähe der Grotte einen Fund, der Archäologen elektrisiert. Es dürfte sich um eine Fracht von einem Schiffswrack handeln, das womöglich aus der Jungsteinzeit stammt. Es ist das Alter, das die Forscher staunen lässt.

Alles deutet auf eine prähistorische Fracht hin

Wie das zuständige Amt für Archäologie in Neapel mitteilt, besteht die vermeintliche Schiffsfracht aus Obsidiankernen. Das ist ein vulkanisches Gesteinsglas, das – kurz gesagt – entsteht, wenn flüssige Lava sich im Wasser abkühlt und fest wird, in seltenen Fällen binnen Minuten.

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Der erste Stein, 28 mal 20 Zentimeter groß und acht Kilogramm schwer, ist nicht nur alt, sondern weist auch an der Oberfläche deutliche Meißel- und Bearbeitungsspuren auf. Es gibt mehrere solcher Steine, die über ein größeres Gebiet verstreut sind.

Der Mensch war wohl früher als gedacht auf den Meeren unterwegs

Die Archäologen Luca di Franco und Simona Formola nehmen an, dass die Steine Teil der Ladung eines prähistorischen Schiffes oder Floßes aus der Jungsteinzeit gewesen sein müssen. Die Jungsteinzeit reicht von 5800 bis 4000 Jahren vor Christus. Jetzt wird noch nach möglichen Überresten eines Schiffes gesucht.

Polizeitaucher halfen bei der Bergung der spektakulären Funde.
Polizeitaucher halfen bei der Bergung der spektakulären Funde. © SUPERINTENDENT FÜR ARCHÄOLOGIE, BILDENDE KÜNSTE UND LANDSCHAFT FÜR DIE METROPOLITÄT NEAPEL | SUPERINTENDENT FÜR ARCHÄOLOGIE, BILDENDE KÜNSTE UND LANDSCHAFT FÜR DIE METROPOLITÄT NEAPEL

Es ist nicht zweifelsfrei sicher, ob der Mensch schon früh per Floß, Kanu oder Boot auf den Meeren unterwegs war. Einiges deutet allerdings genau darauf hin. So könnten sie sich auf diese Weise auch entlang der westeuropäischen Küsten ausgebreitet haben. Die weiteren Untersuchungen sollen nun klären, woher das Gesteinsglas einst kam. Und am Ende vielleicht auch das Rätsel lösen, wann genau der Mensch zum Seefahrer geworden ist.

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