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Extreme Temperaturen: Wie viel Hitze verträgt der Mensch?

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Das sind die größten Gefahren bei Hitze

Das sind die größten Gefahren bei Hitze

Bei sommerlich heißen Temperaturen kann es für die Gesundheit schnell gefährlich werden. Welche gesundheitlichen Risiken Sie bei Hitze kennen sollten und wie Sie sich schützen können, sehen Sie im Video.

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Viele Menschen auf der Welt leiden aktuell unter einer extremen Hitzewelle. Denn der Körper kann nur gewisse Temperaturen aushalten.

Berlin. 43 Grad auf Zypern, 44 Grad in Griechenland, fast 50 Grad in Nordamerika: Die Temperaturen brechen aktuell Rekordwerte - und das mit dramatischen Folgen. Im kanadischen Lytton hat ein Waldbrand fast ein ganzes Dorf zerstört. Allein in British Columbia wurden zwischen vergangenem Freitag und Mittwoch knapp 500 Tote im Zusammenhang mit der Hitzewelle verzeichnet.

Experten rechnen damit, dass extreme Wetterlagen Natur und Mensch immer häufiger zu schaffen machen. Doch wie heiß darf es eigentlich werden, bis es lebensbedrohlich wird? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie viel Hitze verträgt der Körper?

Wie viel Hitze der Mensch verträgt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig, zum Beispiel der körperlichen Konstitution, aber auch Gewöhnungssache. Forscher der Unisversity of Hawai haben jedoch eine kritische Temperaturschwelle ermittelt. Dazu werteten die Wissenschaftler in einer Studie Daten zu Todesfällen während verschiedener Hitzewellen aus. Ihr Ergebnis: Ab Außentemperaturen über 37 Grad wird es gefährlich - bei einer hohen Luftfeuchtigkeit sogar schon bei geringeren Temperaturen.

Denn der menschliche Organismus ist bemüht, seine Temperatur konstant auf 37 Grad Celsius zu halten, damit lebensnotwendige Stoffwechselprozesse fortlaufend stattfinden können. Diese Temperatur darf nur geringfügig schwanken, erklärt Hanns-Christian Gunga, Professor für Physiologie in Extremen Umwelten an der Charité Berlin. Zu viel Hitze ist also ebenso gefährlich wie zu viel Kälte. Würde die Körpertemperatur über 42 Grad steigen, oder unter 32 Grad sinken, könnte das tödlich sein.

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Warnzeichen: Wie reagiert der Körper auf zu viel Hitze?

Es gibt unterschiedliche hitzebedingte Erkrankungen, die schlimmstenfalls zum Tod führen können. So entsteht ein Sonnenstich durch intensive Sonneneinstrahlung auf den Kopf, was zu einer Reizung der Hirnhäute führt und Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Benommenheit hervorrufen kann, erklärt Gunga.

Wenn hingegen schon bei leichten körperlichen Belastungen das Herz schneller als üblich schlägt, man sich schwach fühlt, vermehrt schwitzt oder desorientiert ist, könnte dies auf eine Hitzeerschöpfung hindeuten.

Ein Hitzschlag ist nochmal eine Steigerung. Denn er ist lebensbedrohlich. Betroffene haben keine feuchte, sondern trockene Haut und sind mitunter hochrot.

Wenn der Körper durch die Hitze viel schwitzt und nicht genug Wasser getrunken wird, kann ein Flüßigkeitsmangel außerdem zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führen.

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Zu viel Hitze abbekommen: Was hilft?

Generell gilt: Raus aus der Sonne. Ruhe und Abkühlung können helfen, wenn der Körper zu viel Hitze abbekommen hat. Ebenso viel Wasser trinken. Bei ernsthaften Symptomen, sollte jedoch ein Notarzt gerufen werden.

Sonnenstich und Hitzeschlag: Wie vorbeugen?

Bei extremen Temperaturen sollte man möglichst zu Hause bleiben. Für Kinder und Ältere gilt dies im Besonderen. Ärzte raten außerdem dazu, keinen Alkohol oder zuckerhaltige Getränke zu sich zu nehmen. Stattdessen sollte viel Wasser getrunken und helle Baumwollkleidung getragen werden. Außerdem empfiehlt es sich, eher Leichtverdauliches zu essen. Sonnenbaden dürfe - wenn überhaupt - nur wenige Minuten dauern.

Risikogruppe: Vertragen Kinder weniger Hitze?

Gerade die Körper von Kindern kommen mit Hitze nur sehr schwer zurecht. "Das Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpervolumen ist bei Kindern ungünstiger als bei Erwachsenen", sagt Jonas Scherer, Assistenzarzt im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz. Hinzu kommen eine geringere Fettschicht und weniger Blut. Außerdem schwitzen Kinder weniger, weil ihre Schweißdrüsen kleiner sind.

Gerade das abgestellte Auto kann deshalb zu einer tödlichen Falle für Kinder werden. Folgende Grafik zeigt, wie lebensbedrohlich schon niedrigere Außentemperaturen für die kleinen Insassen sind.

Besonders gefährdet bei großer Hitze sind zudem ältere Menschen. Sie sind durch chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme häufig vorbelastet und haben oft ein herabgesetztes Durstempfinden. (jtb mit dpa/afp)