SEK

"Aufnahmerituale dienen Zusammenhalt der Gruppe"

| Lesedauer: 2 Minuten
Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei  in Köln (Nordrhein-Westfalen).

Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei in Köln (Nordrhein-Westfalen).

Foto: Marius Becker / dpa

Nach Skandal um Schikane bei Kölner Elite-Polizisten entlastet Sonderermittler das SEK. Es gebe keine Beweise für gezielte Demütigung.

Köln. Nach dem Schikane-Skandal in einem Kölner Spezialeinsatzkommando hat der Sonderermittler keine Hinweise auf zielgerichtetes Mobbing unter SEK-Beamten gefunden. Es gebe auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Elite-Polizisten einer zweifelhaften Werteorientierung folgten, zitierten das Magazin „Focus“ und „Spiegel Online“ am Freitag aus einem Bericht des Sonderermittlers, dem ehemaligen Chef des Landeskriminalamts (LKA) Wolfgang Gatzke.

Allerdings habe Gatzke ausdrücklich nicht den Auftrag gehabt, die umstrittenen Vorfälle beim SEK 3 zu untersuchen, betonte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Vielmehr habe er überprüfen sollen, ob es in den beiden anderen Kölner SEK-Kommandos ähnliche Praktiken gegeben habe. Dies sei dem Bericht zufolge nicht der Fall.

„Ich bin froh, dass die Wertevorstellungen des Kölner SEK denen der NRW-Polizei entsprechen“, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD) laut Mitteilung. Mobbing und inakzeptable Aufnahmerituale, wie sie offenbar im 3. Kommando vorgekommen seien, würden bei der Polizei nicht geduldet. In einer Pressekonferenz am späten Freitagnachmittag wollten der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers und Gatzke die Ergebnisse des Untersuchungsberichts vorstellen.

Die umstrittenen Rituale der 3. SEK-Einheit waren durch einen Anwärter ans Licht gekommen. Nach einem früheren Bericht des Innenministeriums mussten die Neulinge unter anderem im Indianerkostüm auf dem Boden knien und eine ekelerregende Eismischung essen, die sich zwischen den Oberschenkeln eines SEK-Mitglieds befand. Die Aachener Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen gegen die Beamten eingestellt, weil die Anwärter freiwillig mitgemacht hätten.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte Polizeipräsident Albers die Auflösung des 3. Spezialeinsatzkommandos beschlossen. Die neun Beamten sollen versetzt werden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte dies als Vorverurteilung kritisiert, weil das Disziplinarverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

Laut „Focus“ und „Spiegel Online“ schreibt Gatzke in seinem Bericht, dass Aufnahmerituale in den Kölner SEK-Kommandos nach Ende der Probezeit üblich seien. Diese würden von den Beamten als eine Art „Gesellenstück“ oder „Ritterschlag“ wahrgenommen und dienten dem Zusammenhalt der Gruppe. Keiner der von ihm befragten Polizisten habe die Aufgabenstellungen als demütigend oder erniedrigend empfunden.

( dpa )