Köln

Aufgelöste SEK-Einheit feiert wilde Abrissparty

SEK-Beamte im Einsatz (Symbolbild)

SEK-Beamte im Einsatz (Symbolbild)

Foto: Boris Roessler / dpa

Sie randalierten mit einem Motorrad in der Wache und hissten die Totenkopf-Fahne: Die Kölner SEK-Polizisten waren außer Rand und Band.

Köln. Ihre Ausbildung erfordert höchste Disziplin, nur die Besten setzen sich durch. Die Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei befreien Geiseln, nehmen Terrorverdächtige fest und überwältigen Bewaffnete. Doch bei den Elitepolizisten in Köln ist einiges aus dem Ruder gelaufen. Polizeipräsident Wolfgang Albers zog schließlich die Notbremse, löste eine Einheit auf und versetze Polizisten. Die reagierten darauf mit einer wilden Abschiedsparty. Seit Monaten belasten eine Schikane-Affäre und andere Merkwürdigkeiten die Kölner Elitetruppe. Bei Aufnahmeritualen sollen Beamte zwei neue Kollegen drangsaliert und erniedrigt haben.

Die Aachener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines umstrittenen Fotoshootings mit SEK-Führungskräften auf der Spitze einer Kölner Rheinbrücke. Gegenüber der Öffentlichkeit wurde die Aktion als Höhenübung deklariert. Tatsächlich soll auf dem Pfeiler in rund 80 Meter Höhe ein spektakuläres Abschiedsfoto für einen scheidenden Chef der Elitepolizisten entstanden sein.

Schon seit Juni durfte die Polizisten, gegen die Schikane-Vorwürfe erhoben wurden, an keinem Einsatz mehr teilnehmen. Am Dienstagmorgen fuhr Albers zum SEK-Stützpunkt in Brühl und teilte den Beamten die Auflösung ihrer Truppe mit. Die Elitebeamten müssen fortan woanders unterkommen. „Sie waren sehr betroffen“, sagte Albers am Mittwoch. Aggressives Verhalten oder Beschimpfungen habe er zu diesem Zeitpunkt nicht bemerkt.

Am Nachmittag, dem Beginn ihrer dienstfreien Zeit, kippte jedoch die Stimmung: Offenbar aus Frust schoben SEK-Leute eine Motocross-Maschine mit laufendem Motor durch die Gänge des Polizeigebäudes und brachten sie über einen Aufzug in ihren Aufenthaltsraum. Dort stellten sie das Motorrad auf den Tisch, ließen das Hinterrad durchdrehen, wie Albers berichtete.

Aus dem Fenster hängten sie eine schwarze Fahne mit Totenkopf-Emblem und schraubten ein Möbelstück, das sie selbst in dem Aufenthaltsraum mitgebracht hatten, von der Wand. Berichte, die SEK-Beamten hätten Möbel aus Wut mit der Kreissäge auseinandergenommen, konnte Albers aber nicht bestätigen. Vorgesetzte beendeten die Motocross-Aktion und holten die Piraten-Fahne wieder ein. Bei einer spontanen Abschiedsfeier am Abend hätten Beamte des SEK und des Mobilen Einsatzkommandos schließlich gegrillt und Bier getrunken. So viel, dass sich der MEK-Leiter später betrunken abholen ließ, wie Albers berichtete.

Welche Folgen der wilde Ausstand der SEK-Polizisten hat, ließ Albers offen. Den Leiter der Kölner Spezialeinheiten zog er am Mittwoch allerdings von seinem Posten ab. Er war nicht nur Chef der Kommandoeinheit „Abschiedsfoto“ auf der Rheinbrücke - sondern hatte für das Foto auch selbst auf dem Pylon posiert.