Polen

Bauten die Nazis ein Tunnelsystem für den Gold-Zug?

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Nazi-Goldzug? Dieser Waggon ist ein Ausstellungsstück im Industrie- und Eisenbahnmuseum in Jaworzyna Slaska

Nazi-Goldzug? Dieser Waggon ist ein Ausstellungsstück im Industrie- und Eisenbahnmuseum in Jaworzyna Slaska

Foto: Maciej Kulczynski / dpa

Spekulationen um Sensationsfunde in Polen gehen weiter. Ein Museumsdirektor hat offenbar ein Tunnelsystem entdeckt. Ein Trittbrettfahrer?

Walbrzych. Nazi-Gold, eine unterirdische Stadt, das verschwundene, mysteriöse Bernsteinzimmer – die Fantasie über die angeblichen oder tatsächlichen Funde aus der Zeit der nationalsozialistischen Besetzung in Polen kennt keine Grenzen. Offenbar sind neben den Polen, die auf eine Entdeckung hoffen, auch viele Beobachter im Schatzfieber. Denn der Wirbel um angebliche Nazi-Schätze hält an. Nachdem zunächst Gerüchte über einen „Nazi-Goldzug“ in Niederschlesien für Aufregung gesorgt hatten, will nun der Chef eines örtlichen Museums ein ganzes unterirdisches Tunnelsystem entdeckt haben. „Der Komplex hat die Ausmaße einer Großstadt“, behauptete Krzysztof Szpakowski im Sender TVN24.

In der Anlage kann sich nach Darstellung Szpakowskis „alles Mögliche“ verbergen - wenn auch nicht unbedingt der „Goldzug“ oder das sagenumwobene Bernsteinzimmer. Zwei Eisenbahntunnel bei Walbrzych (Waldenburg) im Südwesten Polens würden in den Komplex führen. Szpakowski betonte, er habe in jahrelanger Arbeit Akten durchwühlt und Augenzeugen befragt. Zudem könne er Bodenradarbilder vorlegen.

Die Anlage war demnach ein bisher unbekannter Teil des NS-Bauvorhabens „Riese“. Dabei hatten die Nazis im Zweiten Weltkrieg bis zu 13.300 KZ-Häftlinge unter furchtbaren Bedingungen gezwungen, ein Stollensystem in das Eulengebirge südwestlich von Breslau (Wroclaw) zu graben. Tausende der überwiegend jüdischen Häftlinge kamen ums Leben.

Als die Sowjet-Armee anrückte, wurden die Zugänge zu den Stollen gesprengt. Möglicherweise sollten dort Rüstungsbetriebe versteckt werden. Eifrig spekuliert wird nun dennoch über einen Zusammenhang zwischen den Tunneln und dem „Nazi-Goldzug“, um den sich in der abgelegenen Region seit Jahrzehnten Legenden ranken. Örtliche Zeitungen sprachen schon von einer „weiteren Sensation“.

Denkbar ist aber, dass die angeblichen Entdecker Trittbrettfahrer sind, die vom Medienrummel profitieren wollen. Polnische Zeitungen nennen das bereits den „Goldzug-Effekt“. Fernsehsender brachten am Wochenende wieder ganze Sondersendungen über die Suche nach im Krieg versteckten Schätzen.

( HA/dpa )