Germanwings-Absturz

Angehörige schreiben verzweifelten Brief an Lufthansa

Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine im März in den französischen Alpen waren alle 150 Insassen gestorben

Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine im März in den französischen Alpen waren alle 150 Insassen gestorben

Foto: Guillaume Horcajuelo / dpa

Die Familien der Germanwings-Opfer kritisieren die Verzögerungen bei der Überführung. Brief aus Zorn und Verzweiflung an Lufthansa.

Köln/Haltern. Die verzögerte Überführung von Germanwings-Absturzopfer nach Deutschland ist für die Hinterbliebenen erneut eine belastende Situation. „In Haltern am See bleiben die Eltern ratlos und traurig zurück“, heißt in einem Schreiben eines Anwalts von Angehörigen. Mehrere Familien aus Haltern hatten darin Zorn und Verzweiflung beklagt, weil sie nicht wüssten, wann sie ihre Lieben beisetzen könnten.

„Am 12. Juni sind die ersten Beisetzungen der bei der Germanwings-Katastrophe getöteten Schülerinnen und Schüler in Haltern am See geplant. Sechzehn Beisetzungen in rascher Folge, die nach Freigabe der Überreste durch die französischen Behörden und nach Zusage des Rücktransporttermins durch die Lufthansa vorbereitet wurden. Am 3. Juni ist seit 12 Uhr plötzlich alles anders“, heißt es in dem Schreiben, über das am Freitag zunächst die „Bild“-Zeitung berichtete. „Der Zorn und die Verzweiflung nehmen zu“, hieß es weiter. „Trauerbriefe werden von der Post zurückgeholt, Verwandte versuchen, Flüge und Hotelzimmer zu stornieren“, schrieben die Angehörigen über die schon geplanten Trauerfeiern, die nun womöglich verschoben werden müssten.

Die erste Beisetzung sei sogar für den 11. Juni vorgesehen, ergänzte Anwalt Elmar Giemulla, der nach eigenen Angaben die Angehörigen von 34 Opfern vertritt. Dieses Datum sei zwischenzeitlich bekanntgeworden.

„Die Leute haben mit jeder Faser auf diesen für sie sehr wichtigen Termin zugesteuert. Wenn der platzt, fallen sie in ein Loch. Das wäre ein Schlag ins Gesicht“, schilderte der Anwalt. Die Beerdigung eines geliebten Menschen stelle einen wichtigen Schritt auf dem Weg in die Normalität dar. „Da kommt ein Sarg an, der Tote kehrt nach Hause zurück. Für die Familien ist das ein Abschluss mit der Vergangenheit und ein Schritt in die Zukunft.“ Die unklare Planung habe die Gefühlslage der traumatisierten Angehörigen erneut erschüttert.

Am Mittwoch war öffentlich bekannt geworden, dass sich die Überführung der sterblichen Überreste von Opfern verzögert - laut einem Zeitungsbericht aufgrund behördlicher Fehler in den Sterbeunterlagen. Die genauen Hintergründe sind unklar. Germanwings betonte am Freitag erneut, das Problem schnellstmöglich lösen zu wollen. „Da hängt viel Organisation dran“, sagte Sprecher Joachim Schöttes.

(dpa/HA)