Erdbeben im Himalaya

Warum Nepal schlecht auf Naturkatastrophen vorbereitet ist

Seit Jahrzehnten warnen Experten vor einer schweren Erdbebenkatastrophe in Nepal, denn das Land liegt in einer gefährdeten Zone.

Kathmandu. Seit Jahrzehnten warnen Experten vor einer schweren Erdbebenkatastrophe in Nepal. Denn das Land liegt in einer gefährdeten Zone, wo die eurasische und die indische Kontinentalplatte zusammentreffen. Vor allem aber ist das bitterarme Nepal schlecht auf Naturkatastrophen vorbereitet. Die „Nepali Times“ kritisierte bereits im vergangenen Jahr die schlechte Planung der Regierung. „Erdbeben töten keine Menschen, unsichere Gebäude töten“, schrieb die Zeitung.

Der Himalaya ist das höchste Gebirge der Erde. Die Gebirgskette ist noch recht jung und wächst jedes Jahr um einige Millimeter. Der felsige Untergrund ist daher in Bewegung, und der Erdboden auf den steilen Hängen kann bei Erschütterungen leicht ins Rutschen geraten - Schlamm- und Schneelawinen sind häufig. Zudem hat die Gegend eine der höchsten Niederschlagsraten der Welt. Hochwasser und Überschwemmungen vor allem während der Regenzeit sind normal.

Auf diesem von Natur aus für Katastrophen anfälligen Terrain liegt Nepal, der am dichtesten besiedelte Bergstaat der Welt. Das kleine Land im Einflussbereich zwischen den beiden mächtigen Nachbarn Indien und China ist arm an Rohstoffen und Ressourcen, verfügt über eine schlechte Infrastruktur und eine seit Jahren instabile Regierung, die kaum handlungsfähig ist.

Häuser werden rasch und billig gebaut

Menschen vom Lande, wo ein rigides Kastensystem nach indischem Muster herrscht, wandern in die Städte ab - vor allem nach Kathmandu. Die Einwohnerzahl der Hauptstadt wächst jedes Jahr um vier Prozent, mittlerweile sind es 2,5 Millionen. Immer neue Siedlungen sprießen aus dem Boden, in denen die Zugezogenen unterkommen.

Häuser werden rasch und billig gebaut: Doch die traditionelle Backstein-Bauweise ist nicht robust genug, um einem größeren Erdbeben standzuhalten. Häuser werden zudem oft in immer kleinere Einheiten aufgeteilt, weil nach dem Erbrecht in Nepal beim Tode der Eltern der Besitz an alle Söhne der Familie vererbt wird. Die so entstehenden Konstruktionen sind wenig stabil. Die Bebauung wird immer dichter.

Bauvorschriften werden nicht durchgesetzt, weil die Behörden korrupt sind oder sich schlicht nicht kümmern. Eine weitreichende Stadt-Planung fehlt. Es gibt keine Sicherheitszonen, in denen nicht gebaut werden darf - etwa an Flussufern oder in Erdrutsch-gefährdeten Gegenden.

Nepals Infrastruktur ist veraltet

Mit Hilfsgeldern aus dem Ausland gründete das Innenministerium im Jahr 2008 nach langem Zögern eine zentrales Komitee für Katastrophenmanagement, das Konzepte für Unglücksfälle wie Fluten und Erdbeben ausarbeitet. Doch viele gute Ansätze auf dem Papier sind im Realfall schwer umsetzbar: Nepal ist eines der ärmsten Länder in Südasien. Die Wirtschaft ist fast komplett vom Tourismus abhängig. Die Infrastruktur ist veraltet und ungenügend. Straßen sind eng und verstopft, so dass der Verkehr in der Hauptstadt, aber auch in ländlichen Gebieten nur schleppend fließt.

Politisch ist das Land auch nach dem Ende eines zehnjährigen Bürgerkrieges 2006 instabil. Die Abschaffung der 300 Jahre alten Monarchie 2008 hat ein großes Vakuum hinterlassen: Das Parlament streitet seit Jahren ohne Ergebnis über eine neue Verfassung. (epd/HA)