Tröglitz

Feuer im Flüchtlingsheim nach rechtsextremen Protesten

In der Nacht zu Sonnabend hatte es in der Unterkunft für Asylbewerber gebrannt

In der Nacht zu Sonnabend hatte es in der Unterkunft für Asylbewerber gebrannt

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Das Feuer war vorsätzlich gelegt worden. Erst kürzlich war der Bürgermeister nach Drohungen von Rechtsextremen zurückgetreten.

Tröglitz. In dem zukünftigen Asylbewerberheim in Tröglitz in Sachsen-Anhalt hat es in der Nacht zum Sonnabend gebrannt. Das Feuer ist nach Erkenntnissen der Ermittler vorsätzlich gelegt worden. Das schrieb die Polizei Sachsen-Anhalt Süd in einer Mitteilung, die vor Beginn einer Pressekonferenz in Halle auslag. Ein Motiv wurde nicht genannt.

Der Ort im Burgenlandkreis ist bundesweit in den Schlagzeilen, seit der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth wegen rechtsextremer Anfeindungen seinen Rücktritt erklärt hatte. Die NPD-geführten Proteste richteten sich gegen die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen. Die ersten sollen Anfang Mai nach Tröglitz kommen.

Wie die Polizei in Halle mitteilte, konnten sich zwei Bewohner des Hauses unverletzt in Sicherheit bringen. Um wen es sich dabei handelte, war zunächst unklar. Das gesamte Dach sei durch das Feuer zerstört worden. Nach ersten Schätzungen liegt der Schaden im sechsstelligen Bereich.

Der zurückgetretene Ortsbürgermeister hat sich entsetzt über das Feuer gezeigt. „Davon wird Tröglitz sich wohl nie erholen“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“ am Sonnabend. „Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten.“

Nierth war Anfang März zurückgetreten, weil eine genehmigte Anti-Asyl-Demonstration direkt vor seiner Haustür stattfinden sollte. Er fühlte sich von der Politik nicht ausreichend unterstützt und sah seine Familie nicht gut genug geschützt. Sein Schritt hatte eine bundesweite Debatte über den Schutz von Politikern vor Demonstranten ausgelöst, die Entscheidungsträger auch in ihrer Privatsphäre unter Druck setzen wollen.

Am vergangenen Dienstag hatte Landrat Götz Ulrich (CDU) bei einer Bürgerversammlung mit rund 500 Teilnehmern über die Unterbringung der Flüchtlinge informiert und auch Fehler bei der Planung eingeräumt.