Germanwings 4U 9525

Co-Pilot googelte Suizid – Zweite Blackbox in gutem Zustand

Lesedauer: 14 Minuten

Andreas L. suchte im Internet nach Selbstmord-Möglichkeiten. Einsatzkräfte finden zweiten Flugdatenschreiber an Absturzstelle.

Seyne-les-Alpes/Berlin/Hamburg. Bei den Arbeiten in der Absturzregion der Germanwings-Maschine konzentrierten sich die Experten am Donnerstag auf die Suche nach dem zweiten Flugschreiber - gegen 15.41 Uhr die Nachricht: die Blackbox mit den Flugdaten wurde gefunden. Sie soll weiter Aufschluss geben über die Abläufe im Airbus A320 vor dem Absturz. Der bereits am ersten Tag entdeckte Voicerecorder hatte enthüllt, dass der Co-Pilot die Maschine mit 150 Menschen an Bord wohl vorsätzlich zum Absturz brachte.

Die Suchtrupps setzten zudem die Bergung von Teilen der zerstörten Maschine fort. Dabei wurden erstmals auch zwei Hubschrauber der Bundeswehr eingesetzt. Die Hubschrauber waren am Mittwoch im baden-württembergischen Niederstetten gestartet. Frankreich hatte um die Hilfe der Bundeswehr gebeten.

Auch ein Ermittlerteam aus Düsseldorf war an der Absturzstelle. Die Sonderkommission besteht aus vier deutschen Polizisten. Sie waren mit vier französischen Ermittler angereist, die bisher die Arbeit in Düsseldorf unterstützt hatten.

Am Mittwoch hatte das Auswärtige Amt derweil die Anzahl der deutschen Opfer von 75 auf 72 herunter korrigiert. Grund seien ursprüngliche Unklarheiten bei Passagieren mit doppelter Staatsbürgerschaft gewesen.

Abendblatt.de hält Sie über die Folgen von Unglücksflug 4U 9525 auf dem Laufenden:

Ende der PK

18.42 Uhr: Die Pressekonferenz in Marseille ist beendet.

Auswertung dauert ein paar Wochen

18.39 Uhr: Die Auswertung der zweiten Blackbox soll "drei bis fünf Wochen" dauern, sagt der französische Staatsanwalt.

Blackbox fast schon zufällig entdeckt

18.35 Uhr: Nur durch eine akribisch suchende Polizistin konnte die zweite Blackbox entdeckt werden. "An der Fundstelle wurde bereits gegraben, doch eine Polizistin grub offenbar gründlicher als ihre Vorgänger und fand den Flugdatenschreiber", so Robin.

Beide Flugdatenschreiber sind gleich wichtig

18.31 Uhr: "Die zweite Blackbox wird uns Aufschluss über die Einzelheiten des Fluges vom Start bis zum Absturz geben. Dadurch erfahren wir nicht nur, was sich während der letzten Sekunden des Fluges im Cockpit abgespielt hat, sondern auch, was während des kompletten Fluges ab Barcelona passiert ist", sagte Robin. Der französische Staatsanwalt bezeichnet beide Flugdatenschreiber als "gleich wichtig" und geht davon aus, dass seine erste Theorie, wie sich der Germanwings-Absturz abgespielt hat, durch die Auswertung der zweiten Blackbox bestätigen wird.

Sensibler Umgang mit den Hinterbliebenen

18.29 Uhr: Die Familie des jeweiligen Opfers, das durch die zweite Blackbox identifiziert wird, soll umgehend informiert werden, verspricht Robin. "Ich kann Ihnen noch keine neuen Termine dafür nennen, aber ich kann versprechen, dass alles in Bewegung gesetzt wird, damit wir so schnell wie möglich zu dem entsprechenden Ergebnis kommen."

150 DNA-Profile am Absturzort gefunden

18.27 Uhr: Die französischen Ermittler haben bei der Analyse der Leichenteile 150 verschiedene DNA-Profile identifiziert, wie Staatsanwalt Brice Robin mitteilte. „Das bedeutet nicht, dass wir die 150 Opfer identifiziert haben“, schränkte er ein. Die DNA-Profile müssten nun mit den Vergleichsproben abgeglichen werden, die von den Angehörigen der Toten zur Verfügung gestellt wurden. „Diese Arbeit wird schnell beginnen können, von Anfang kommender Woche an."

Zweite Blackbox scheint auswertbar

18.24 Uhr: Die Pressekonferenz hat mit etwas Verspätung begonnen. "Der Flugdatenschreiber war dem Feuer ausgesetzt und tief in die Erde eingegraben. Der Zustand der Blackbox scheint dennoch so zu sein, dass wir sie auswerten können", sagt der französische Staatsanwalt Brice Robin.

Pressekonferenz hier im Liveticker

17.29 Uhr: Kurz nach 18 Uhr gibt der französische Staatsanwalt Brice Robin eine Pressekonferenz in Marseille zum Fund der zweiten Black Box. Alle relevanten Aussagen erfahren Sie hier im Liveticker.

ARD überträgt Trauerakt aus Kölner Dom

16.50 Uhr: Das Erste überträgt am 17. April live den ökumenischen Gottesdienst und den staatlichen Trauerakt im Kölner Dom für die Absturzopfer. Nach Angaben der ARD beginnt die Livesendung um 11.45 Uhr und dauert bis 13.30 Uhr. An der Feier ab 12 Uhr sollen Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die nordhrein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sowie Vertreter aus Frankreich, Spanien und anderen Herkunftsländern der Opfer teilnehmen. Dem Trauergottesdienst stehen der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, vor. Die Gedenkfeier steht auch der Bevölkerung offen.

Co-Pilot informierte sich im Netz über Suizid und Cockpittüren

16.05 Uhr: Andreas L. hat in den Tagen vor dem Absturz im Internet nach Arten und Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung recherchiert. Außerdem informierte er sich an mindestens einem Tag mit Suchbegriffen über Cockpittüren und deren Sicherheitsvorkehrungen, teilte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Donnerstag mit. Dies habe die Auswertung eines Tablets des 27-Jährigen ergeben. Den Angaben zufolge informierte sich der Co-Pilot im Internet auch über medizinische Behandlungsmöglichkeiten. Die Ermittler konnten demnach in dem in der Düsseldorfer Wohnung des Mannes gefundenen Tablet den nicht gelöschten Browserverlauf für die Zeit vom 16. bis 23. März nachvollziehen

Zweite Blackbox gefunden

15.45 Uhr: Rund zehn Tage nach dem Germanwings-Absturz ist die zweite Blackbox des Airbus A320 gefunden worden. Das teilte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, am Freitag mit. Der Flugdatenschreiber enthält die technischen Daten und zeichnet auf allen Flügen etwa Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine auf. Er speichert GPS-Daten und gibt so Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks - auch wenn die Trümmer später weit verstreut sind. Die Flugschreiber sind darauf ausgelegt, eine Stunde lang die Temperaturen eines Kerosinbrands von 1100 Grad Celsius und zehn Stunden lang Temperaturen von 260 Grad zu überstehen.

US-Angehörige erhalten wohl höhere Entschädigung als Deutsche

14.57 Uhr: Trotz ihres gemeinsamen Schicksals könnten die Angehörigen der Opfer vollkommen unterschiedliche Geldbeträge als Entschädigung erhalten. Ausschlaggebend ist nach Aussagen von Anwälten vor allem ihre Staatsbürgerschaft und damit die Regelungen, die in ihrem jeweiligen Heimatland gelten. So dürfen die Hinterbliebenen von US-Opfern im Klagefall mit Millionen rechnen, weil die Trauer und der Schmerz der Verwandten im US-Recht ein starkes Gewicht haben. Ganz anders in Deutschland: Hier richte sich die Höhe der Entschädigung neben anderen Faktoren nach den Einnahmen, die der Tote künftig noch hätte erzielen können, erläutert Luftfahrt-Anwalt Elmar Giemulla. Entschädigungen für die durch das Unglück erlittenen Schmerzen seien im deutschen Recht nicht vorgesehen. "Die Unterschiede bestehen trotz der Tatsache, dass die Passagiere in den letzten Minuten des Unglücksflugs alle das Gleiche erlitten haben", sagt James Healy-Pratt von der New Yorker Kanzlei Stewarts Law.

Angehörige von Amerikanern könnten mit jeweils etwa zwei Millionen Euro rechnen. In Großbritannien hingegen seien für den Todesfall 13.000 Pfund vorgesehen, dazu kämen noch Beträge für Beerdigung oder Unterhaltungszahlungen des Toten an Dritte. Die Eltern eines jungen Erwachsenen etwa dürften einen Betrag von 20.000 Pfund (27.000 Euro) erhalten.

Voraussetzung ist, dass die Angehörigen klagen. Das internationale Recht sichert den Angehörigen abgesehen von den Summen, die sie einklagen, eine Art Grundentschädigung von etwa 145.000 Euro zu. Die muss von der Fluglinie gezahlt werden und ist im sogenannten Abkommen von Montreal festgeschrieben. Die Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa wird sich nach Aussagen von Konzernchef Carsten Spohr an den globalen Rechtsrahmen halten. Bislang zahlt die Fluglinie den Angehörigen bis zu 50.000 Euro je Opfer als Soforthilfe.

Leichenteile noch nicht nach Deutschland überführt

13.40 Uhr: Wie ein Sprecher der Pariser Gendarmerie gegenüber der Bild sagte, befinden sich die sterblichen Überreste der deutschen Opfer noch alle in Frankreich, entweder in Seyne oder in Paris. "Es wurden noch keine Leichenteile nach Deutschland überführt", zitiert bild.de Xavier Vialenc.

Ermittler finden Handys am Absturzort

12.41 Uhr: Jetzt ist es offiziell: Ermittler haben am Absturzort Mobiltelefone sichergestellt. Doch seien sie noch nicht gründlich untersucht worden, sagte Sprecher Jean-Marc Menichini am Donnerstag. Deshalb hätten sich daraus auch noch keine Hinweise ergeben, was am Tag des Unglücks vor gut einer Woche passiert sei. Die Suche nach persönlichen Gegenständen am Unglücksort gehe weiter. Das französische Magazin „Paris-Match“ und die „Bild“-Zeitung hatten von einem Handyvideo berichtet, das die letzten Momente des Fluges zeigen soll. Die Behörden hatten jedoch erklärt, die Ermittler hätten kein solches Video.

Expertengremium soll über Konsequenzen beraten

12.19 Uhr: Eine neue Expertengruppe der Luftfahrtbranche soll über Konsequenzen aus dem Absturz beraten. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Peter Siegloch, kündigten an, ein solches Gremium mit Sachverständigen und Fachleuten einzusetzen. Sie sollen unter anderem über mögliche Änderungen am Türschutz-Mechanismus in Cockpits beraten, außerdem über medizinische und psychologische Checks für Piloten.

In der Runde sollen unter anderem die Flugbetriebschefs der Airlines sitzen, ebenso Flugmediziner und Vertreter der Berufsverbände. Auch das Verkehrsministerium und das Luftfahrtbundesamt sollen in die Beratungen eingebunden werden.

„Die Aufgabe dieser Taskforce ist offen“, sagte Siegloch. Neue Ergebnisse der Ermittlungen an der Unfallstelle in Südfrankreich sollten in die Beratungen einfließen. „Es ist wichtig, dass wir nicht zu übereilten Beschlüssen kommen“, mahnte er. Wichtig sei, ausgiebig über Vor- und Nachteile möglicher Änderungen zu beraten, um die Sicherheitskette im Flugverkehr nicht zu gefährden.

Seelsorgerin sieht Parallelen zu Gutenberg-Massaker

10.40 Uhr: In der Flugzeugkatastrophe sieht die Thüringer Pfarrerin Ruth-Elisabeth Schlemmer eine schmerzliche Parallele zum Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium vor 13 Jahren. Wie bei dem Amoklauf mit 17 Toten gebe es auch jetzt einen Täter, sagte Schlemmer der Erfurter Tageszeitung „Thüringer Allgemeine“ (Donnerstagsausgabe). Mit diesem Wissen stellten sich die ähnlichen Fragen wie nach dem Amok vom 26. April 2002.

Die Pastorin der Andreasgemeinde in der Nähe des Gutenberg-Gymnasiums war damals Seelsorgerin für die Betroffenen. „Wir wissen genau, welche Fragen jetzt kommen“, sagte Schlemmer. Die Trauernden versuchten, „bis ins Letzte herauszubekommen“, was dort passierte und warum. Vieles könne man erklären. „Aber am Ende bleibt immer eine Lücke, die wir nicht erklären können.“ Unter den Betroffenen von Erfurt seien nach dem Flugzeugabsturz die Bilder von 2002 wieder gegenwärtig.

Einige könnten eine neue Katastrophe „einigermaßen gut überstehen“. Für andere sei es „sehr, sehr schwer“, die Tür zu dieser „schrecklichen Erinnerung“ wieder zu schließen, sagte die Pfarrerin. Zu möglichen Ursachen für den mutmaßlich bewusst herbeigeführten Absturz sagte Schlemmer, die Auseinandersetzung mit dem Thema Depressionen dürfe „nicht wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung“ verschwinden.

Co-Pilot hatte Ende 2014 Autounfall

8.07 Uhr: Die "Bild"-Zeitung hat auch neue Details zu Co-Pilot Andreas L. bekannt gegeben. Demnach soll der 27-Jährige Ende vergangenen Jahres in einen Autounfall verwickelt gewesen sein, in dessen Folge er über ein Knalltrauma und Sehschwäche geklagt habe. Dies gehe aus Dokumenten hervor, die den Ermittlern vorlägen. Nach eigenen Angaben soll L. außerdem Medikamente eingenommen haben, die gegen Depression, Angststörungen und Panikattacken verschrieben werden, berichtet das Blatt.

De Maizière denkt an Rückkehr der Ausweispflicht

7.52 Uhr: Der Zeitung zufolge prüft Innenminister de Maizière zudem die Wiedereinführung der Ausweispflicht auf allen Flügen innerhalb der EU und im Schengenraum.

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine habe man bei den Passagieren und Besatzungsmitgliedern überprüft, ob sie den Behörden als sogenannte Gefährder bekannt gewesen seien, sagte der CDU-Politiker der "Bild". "Wir mussten aber feststellen, dass zunächst gar nicht klar war, wer überhaupt in dem Flugzeug saß."

Grund sei der Wegfall der Grenzkontrollen nach dem Schengener Abkommen, mit dem die Identität der Fluggäste nicht systematisch kontrolliert werde, wurde de Maiziere zitiert. "Wenn ein Passagier sein Ticket an jemand anderen abtritt, wird nur der Name des ersten Passagiers erfasst. Das ist ein riesiges Sicherheitsproblem, und wir müssen ernsthaft überlegen, ob das in Zukunft wirklich noch so bleiben kann."

Abschaffung der Cockpit-Totalverriegelung?

7.43 Uhr: Als Konsequenz aus der Germanwings-Katastrophe will die Bundesregierung einem Bericht zufolge die Sicherheit im Flugverkehr verbessern. Wie die "Bild"-Zeitung heute unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, prüft die Regierung derzeit unter anderem die Abschaffung der Totalverriegelung von Cockpit-Türen und einen intensiveren Austausch von Fluggastdaten. Deutsche und französische Experten hätten eine entsprechende Arbeitsgruppe eingerichtet, hieß es.

Bisher ist es möglich, die Tür von innen komplett zu verriegeln, so dass ein Eindringen auch für Crewmitglieder unmöglich ist. Dieser Mechanismus wurde wegen der Anschläge vom 11. September 2001 eingeführt. Damals stürmten Extremisten in die Cockpits und übernahmen die Kontrolle über die Flugzeuge. (HA/dpa/afp/rtr)

( (dpa/afp/ap/epd/HA) )