Nordkorea

Diktator Kim geht auf Südkorea zu – ein bisschen

Der skurrile Staatsführer kann sich direkte Gespräche auf höchster Ebene mit Präsidentin Park vorstellen. Allerdings hat Kim Jong-un Bedingungen formuliert.

Pjöngjang/Seoul. Zwischen den verfeindeten Nachbarstaaten Nordkorea und Südkorea gibt es verhaltene Signale einer möglichen Entspannung. Der nordkoreanische Machthaber King Jong-un zeigte sich in seiner Neujahrsansprache am Donnerstag offen für neue Gespräche mit der Regierung in Seoul. Für ein Gipfeltreffen auf höchster Ebene stellte er jedoch Bedingungen. Deshalb gibt es Zweifel, ob es wirklich zu einem Tauwetter kommen könnte.

Nordkorea steht international unter Druck – zum einen wegen eines vernichteten Uno-Berichts zur Menschenrechtslage in dem kommunistischen Land, zum anderen wegen des Streits mit den USA um Hackerangriffe im Zusammenhang mit dem US-Film „The Interview“.

Kim sagte in seiner 30-minütigen Ansprache im Fernsehen: „Wir glauben, dass wir die ausgesetzten Gespräche auf hoher Ebene wieder aufnehmen und andere Gespräche über spezielle Themen abhalten können, wenn Südkorea ehrlich die Position vertritt, dass es die Nord-Süd-Beziehungen durch Dialog verbessern will.“ Weiter sagte er: „Und es gibt keinen Grund, nicht auch Gespräche auf höchster Ebene zu führen, wenn die Atmosphäre und die Bedingungen stimmen.“

In der Vergangenheit hat es sich allerdings als praktisch unmöglich erwiesen, die nordkoreanischen Bedingungen zu erfüllen. Seit 2007 gab es kein Gipfeltreffen mehr zwischen den beiden Ländern, die sich seit Ende des Koreakriegs 1953 ohne Friedensvertrag feindselig gegenüber stehen und immer wieder in Konfrontation geraten.

Südkorea, das Pjöngjang erst diese Woche Verhandlungen angeboten hatte, zeigt sich grundsätzlich offen für jede Art von Gespräch. „Wenn Nordkorea wirklich die Süd-Nord-Beziehungen durch einen Dialog verbessern will, hoffen wir, dass es rasch positiv auf unseren Gesprächsvorschlag eingeht“, erklärte das südkoreanische Vereinigungsministerium .

Kim machte in seiner Rede aber auch deutlich, dass von Nordkorea kein radikaler Kurswechsel zu erwarten ist. Sein Land werde Militär und Wirtschaft weiter stärken, sagte er. Zudem erneuerte er Beschuldigungen an Südkorea und die USA, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu schüren. Washington und Seoul müssten ihre „feindselige Politik“ und ihre „verantwortungslosen Invasionspläne“ aufgeben.

Es war Kims dritte Rede am Neujahrstag und gleichzeitig die erste nach Ende der traditionellen dreijährigen Staatstrauer nach dem Tod seines Vaters und Amtsvorgängers Kim Jong-il im Dezember 2011. Einige Nordkorea-Experten glauben, dass Kim nach dem Ende der Trauer eigene politische Schwerpunkte setzen will.

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