„The Interview“

Paulo Coelho will Diktatoren-Satire im Internet zeigen

Haben Nordkoreas Hacker den Cyber-Krieg mit Sony gewonnen? Weißes Haus ist sicher: Der bizarre Diktator Kim steckt hinter der Sabotage gegen „The Interview“. Hier der Trailer als Video.

New York/Seoul. Nach der Hacker-Attacke gegen Sony Pictures und Terrordrohungen gegen Kinos gerät Nordkoreas Regime immer mehr in das Visier der Ermittlungen in den USA. Wie der Sender CNN unter Verweis auf namentlich nicht genannte Regierungsvertreter berichtete, verdichteten sich die Hinweise auf eine Verstrickung Pjöngjangs in die Affäre. „Digitale Fußabdrücke“ wiesen in Richtung Nordkorea, hieß es. Allerdings wollten weder das Weiße Haus noch andere Behörden den vermeintlichen Schuldigen öffentlich beim Namen nennen. Nach CNN-Angaben werde inzwischen über eine Reaktion auf den Hackerangriff beraten.

Sony Pictures hatte am Vortag die Nordkorea-Satire „The Interview“ zurückgezogen. Da die Mehrheit der Kinobetreiber in den USA den Film nicht ins Programm nehmen wolle, „haben wir beschlossen, den für den 25. Dezember geplanten Kinostart abzusagen“, zitierten US-Medien aus einer Mitteilung des Studios. In dem Film bekommen zwei US-Journalisten (Seth Rogen und James Franco) den Auftrag, Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un bei einem Interview zu töten.

Das Filmstudio hat die Satire vor ihrer Veröffentlichung sogar von der US-Regierung überprüfen lassen. Das Weiße Haus habe den Film auf Bitten von Sony gesichtet, sagte Präsident Barack Obamas Sprecher Josh Earnest. Die Regierung habe dann ihre Einschätzung den Machern mitgeteilt, aber keine Änderungen vorgeschrieben oder gar „diktiert“.

Eine Richtlinie für die Überprüfung von Filmen vor ihrer Veröffentlichung gibt es in den USA nicht. Obama hatte den Amerikanern trotz Terrordrohungen gegen US-Kinos empfohlen, den Film ohne Angst vor Anschlägen im Kino zu sehen.

Earnest stufte den Angriff als „Angelegenheit von nationaler Sicherheit“ der USA ein, vermied es aber, von einem Angriff auf diese zu sprechen. Es gebe Beweise, dass ein „anspruchsvoller Akteur mit bösartiger Absicht zerstörerisch“ vorgegangen sei. Dass Nordkorea hinter der Attacke steckt, bestätigte er nicht.

Bei der beispiellosen Cyberattacke waren im November flächendeckend die Computersysteme von Sony Pictures angegriffen und etliche Daten gestohlen worden.

Wie CNN in der Nacht zum Freitag berichtete, seien die Ermittler inzwischen auf Beweise gestoßen, dass die Passwörter eines führenden System-Administrators bei Sony entwendet worden seien. Damit hätten die Hacker praktisch „die Schlüssel zum gesamten Gebäude“ gehabt.

„The Interview“ sollte am 25. Dezember in den USA starten. In Deutschland war der Start des Films mit Produktionskosten von rund 44 Millionen US-Dollar (etwa 35 Millionen Euro) für Februar geplant. Sony hat sich auch gegen jede andere Form der Veröffentlichung des Films entschieden, sei es als Video auf privaten Kabelkanälen oder auf DVD, zitierte das Magazin „Variety“ eine Sony-Sprecherin.

Schauspieler wie Ben Stiller und andere zeigten sich enttäuscht von der Absage. „Ein trauriger Tag für die Kreativität“, schrieb Steve Carell bei Twitter. Rob Lowe twitterte: „Wow. Alle haben klein beigegeben. Die Hacker haben gewonnen.“

Unterdessen hat der brasilianische Autor Paulo Coelho Sony 100.000 Dollar (gut 81.000 Euro) für die Rechte an dem Film angeboten. „Ich möchte ihn kostenlos in meinem Blog veröffentlichen“, schrieb Coelho im Internetdienst Twitter. Er bat in seinem Eintrag die brasilianische Vertretung der Filmproduktionsfirma darum, mit ihm in Kontakt zu treten und stellte für sein Angebot eine Frist bis Freitagmittag (Ortszeit).

Coelho sagte der Zeitung „O Globo“ dazu, der Stopp des Films sei ein „furchtbarer Präzedenzfall“. Die Entscheidung von Sony bedeute, „dass die Terroristen gewonnen haben“. Die Hackergruppe Guardians of Peace (GOP) hatte am Dienstag eine ominöse Warnung ausgesprochen und an die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA erinnert.