Erdbeben in China

Nachbeben erschweren Suche nach Opfern - schon 400 Tote

Das Erdbeben in der Provinz Yunnan im Süden Chinas forderte schon Hunderte Tote, viel mehr werden noch unter den Trümmern vermutet, rund 12.000 Häuser stürzten ein. Viele Nachbeben und das Wetter erschweren die Suche.

Peking. Nach dem schweren Erdbeben in der südchinesischen Provinz Yunnan werden immer mehr Leichen aus den Trümmern gezogen. Die vorläufige Opferzahl lag bei rund 400, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte. Die Behörden rechneten aber noch mit weiteren Toten. Fieberhaft durchsuchten die Helfer den Schutt nach möglichen Überlebenden.

Das Wetter und Nachbeben erschwerten Hilfslieferungen und Bergungsarbeiten. Die US-Erdbebenwarte registrierte mindestens vier Nachbeben mit einer Stärke von 4,5 oder höher. Am Nachmittag wurde mit Gewittern gerechnet. In Straßen hatten sich teils große Löcher aufgetan, die Helfer mussten zu Fuß in die Region vordringen. Ministerpräsident Li Keqiang sei am Montag in der Gegend eingetroffen, um die Arbeiten zu überwachen, berichtete Xinhua. Mehr als 2500 Soldaten waren im Einsatz.

Rund 12.000 Häuser stürzten in dem Bezirk Ludian ein, als das Beben am Sonntagnachmittag die Region rund 370 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Yunnan erschütterte. Am schlimmsten getroffen wurde die Gegend um den Ort Longtou. Auf der Straße von der Stadt Zhaotong dorthin seien mehr als die Hälfte aller Häuser eingestürzt, der Rest sei beschädigt, sagte die freiwillige Helferin Ma Yaoqi der Nachrichtenagentur AP am Telefon. „Ich sah wie Leichen in Decken gehüllt und weggetragen wurden.“

Luftaufnahmen des Staatssenders CCTV zeigten, dass ältere Häuser in sich zusammengestürzt waren, während neuere mehrgeschossige Gebäude noch standen. Telefon- und Stromleitungen brachen zusammen. Ma Liya, eine Bewohnerin von Zhaotong, sagte Xinhua, die Straßen sähen aus wie ein „Schlachtfeld nach einem Bombardement“.

Laut der US-Erdbebenwarte USGS ereignete sich das Beben der Stärke 6,1 am Sonntagnachmittag um 16.30 Uhr (Ortszeit) in einer Tiefe von zehn Kilometern. Das chinesische Erdbebenzentrum maß eine Stärke von 6,5. Der Zivilschutz von Yunnan meldete am Montag zunächst 398 Tote und 1801 Verletzte. Rund 30 000 Menschen seien in Sicherheit gebracht worden.

Das Beben ereignete sich in einer Berggegend, in der vor allem Landwirtschaft und Bergbau betrieben werden. Viele der eingestürzten Häuser seien alt und aus Ziegelsteinen gebaut, berichtete Xinhua weiter.

Die Region ist anfällig für Erdbeben. Bei einer Serie von Erdstößen im September 2012 kamen 81 Menschen ums Leben, 821 wurden verletzt. 1970 starben bei einem Erdbeben der Stärke 7,7 mindestens 15 000 Menschen, 1974 bei einem Beben der Stärke 7,1 mehr als 1400. Im Mai 2008 wurden bei einem heftigen Erdbeben in der südwestchinesischen Provinz Sichuan fast 90.000 Menschen getötet oder wurden danach vermisst.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach den Opfern in einer Erklärung seines Büros sein Beileid aus. Die Vereinten Nationen boten zudem an, jegliche internationale Hilfe, die gebraucht werde, zu mobilisieren. Auch das Weiße Haus kondolierte.

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