Fashion Week

Leder, Strick, Spitze - Berlin zeigt die Trends von morgen

Die Berliner Modewoche geht zu Ende. Superenge, sexy Jeans sind weiterhin angesagt, dazu trägt Frau jetzt bauchfrei. Auffallend viele Designer präsentierten klare Linien und zeitlose Schnitte mit viel Liebe zum handwerklichen Detail.

Berlin. Ein Dutzend Messen, 2500 Aussteller, rund 250.000 Besucher – das ist die Bilanz der Berliner Modewoche in ihrer vierzehnten Saison. „Auch diese Fashion Week hat wieder gezeigt: Berlin ist Hotspot für nationale und internationale Mode in Deutschland“, fasste Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer die viertägige Mammutveranstaltung zum Abschluss am Freitag zusammen.

Besonders gut liefen nach ersten Einschätzungen die Streetwear-Messe „Bread & Butter“ sowie die auf anspruchsvolle internationale Marken spezialisierte „Premium“. „Wir hatten ein Besucherplus von 20 Prozent, es ist wahnsinnig viel geordert worden“, sagt „Premium“-Chefin Anita Tillmann. Rund 1400 Aussteller waren in vier großen Hallen im früheren Postbahnhof Station Berlin zu sehen.

Als Trends für den kommenden Herbst und Winter sieht die erfahrene Modemanagerin viel Leder, groben Strick, Materialmix etwa aus Spitze und Leder, viel Pelz – und weiter superenge, sexy Jeans. „Sogar im hochwertigen Bereich kommt jetzt bauchfrei“, sagt Tillmann. „Daran muss man sich vielleicht erst ein bisschen gewöhnen. Aber bei den superschlanken Models sieht's toll aus.“

Auch die bereits am Donnerstag zu Ende gegangene Verkaufsmesse „Panorama“ konnte nach ersten Schätzungen von Messechef Jörg Wichmann 20 Prozent mehr Besucher verzeichnen. „Das waren tolle drei Tage, Aussteller und Händler waren begeistert“, sagt Wichmann, der die Tradeshow mit umsatzstarken Damen- und Herrenkollektionen im ExpoCenter am künftigen Hauptstadtflughafen erst im vergangenen Jahr neu gestartet hat. „Unsere Marktplatzidee hat sich sehr bewährt. Wir wollen sie weiter fortsetzen und ausbauen.“

Berliner Kreativszene konnte punkten

Bei den Laufstegschauen am Brandenburger Tor herrschte nach einem etwas müden Auftakt ebenfalls gute Stimmung. Zwar fehlten bei der „Mercedes-Benz Fashion Week“, so der offizielle Name, erneut die großen Marken Hugo Boss, Rena Lange und Escada. Dafür konnte die Berliner Kreativszene punkten. Auffallend viele Designer präsentierten eine neue, coole Klassik – klare Linien und zeitlose Schnitte mit viel Liebe zum handwerklichen Detail. Zu den Vorreitern gehören etwa Perret Schaad, Dawid Tomaszewski, Blacky Dress und Esther Perbandt.

Bei den Farben bleibt es im kommenden Winter oft gedeckt: Schwarz, Nachtblau, Braun und Grau in allen Schattierungen. Für den heiteren Kontrapunkt sorgt oft ein kräftiges Rot. Das Berliner Label Kaviar Gauche, das sein zehnjähriges Bestehen feierte, überraschte in seiner sonst schwarz-weiß dominierten Jubiläumskollektion mit einem fließenden Abendkleid in Knallorange, Kilian Kerner fiel mit Tierdrucken aus dem Rahmen.

„Bei dieser Modewoche kann niemand mehr behaupten, Berlin habe sich nicht entwickelt“, lobte die deutsche „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp beim traditionellen Modeempfang ihres Magazins. Ihr 2011 ins Leben gerufener „Vogue“-Salon hat sich in der Hauptstadt als Plattform für talentierte Designer fest etabliert. Zu den acht Labels, die Arp diesmal vorstellte, gehörten auch die Shootingstars von Achtland, die das Berliner Publikum schon beim letzten Mal verzaubert hatten: Oliver Lühr und Thomas Bentz.

Internationale Prominenz blieb der Modewoche diesmal fern. Dafür huschte immer wieder eine als Katze verkleidete Frau durch die Reihen. Identität geheim.